Ärzte Zeitung, 15.04.2008

Muss die MMR-Impfung regelmäßig erneuert werden?

Mumps-Ausbruch in USA bei 18- bis 24-Jährigen / Überdenken der Impfstrategie

ATLANTA (hub). Die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln hält nicht ein Leben lang. Darauf lässt eine Untersuchung zum großen Mumps-Ausbruch in den USA im Jahr 2006 schließen.

 muss die mmr-impfung regelmäßig erneuert werden?

In den USA wird überlegt, MMR-Auffrischimpfungen einzuführen.

Foto: dpa

Insgesamt waren damals 6584 Menschen an Mumps erkrankt, drei viertel davon zwischen März und Mai. Schwerpunkt waren vor allem Staaten des mittleren Westens der USA. Das auf den ersten Blick Erstaunliche an der Epidemie: Primär betroffen waren Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren - die meisten Besucher von Colleges. Bei ihnen lag die Inzidenz fast viermal höher als in allen anderen Altersgruppen zusammen. Bei fünf Prozent der Patienten gab es Komplikationen - bei jedem zehnten war das eine Hodenentzündung. Zwei Prozent der Mumps-Kranken mussten ins Krankenhaus (NEJM 358, 2008, 1580).

In den acht Bundesstaaten, in denen die Epidemie besonders schwer verlief, lag die Impfrate bei insgesamt 63 Prozent. In der am meisten betroffenen Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen hatten 84 Prozent zwei Impfdosen erhalten. In den zwölf Jahren vor dem Ausbruch betrug die Impfrate in den USA bei Vorschülern 89 Prozent für die erste und 86 Prozent für die zweite Impfung.

Der Ausbruch von 2006 wird von den Autoren als erste Mumps-Epidemie betrachtet, die durch ein Versagen der Schutzimpfung durch zwei Impfdosen gekennzeichnet ist. Nachlassende Immunität, eine hohe Populationsdichte und hohe Kontaktraten in den Colleges werden als gemeinsame Ursachen diskutiert. Um eine Herdimmunität zu erreichen, sind Impfraten von jeweils 95 Prozent für die erste und zweite Dosis nötig, erinnern die Forscher.

In Deutschland gibt es vor allem bei der zweiten MMR-Impfdosis Lücken - die Impfrate liegt hier bei maximal 75 Prozent. Bis zu einer Eradikation müssten die Impfstrategie überdacht und Auffrischimpfungen erwogen werden. Dass solche Strategieänderungen möglich sind, zeigt das Beispiel Österreich: Seit festgestellt wurde, dass sich Keuchhusten-Erkrankungen hin zu Erwachsenen verlagern, wird alle zehn Jahre eine Pertussis-Auffrischimpfung empfohlen.

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