Ärzte Zeitung, 16.07.2008

KOMMENTAR

Impflücken bei Pertussis schließen!

Von Michael Hubert

Keuchhusten-Erkrankungen bei unter 1-Jährigen haben sich in fünf Jahren vervierfacht. Gerade die ganz Kleinen, noch nicht geimpften sind besonders gefährdet. Gegen Pertussis gibt es keinen Nestschutz. Und: Erkrankte Babys husten nicht. Aber es kommt zu Apnoen und Enzephalopathien, die tödlich enden können.

Wichtig für Säuglinge ist daher ein geimpftes Umfeld. Die Impfkommission STIKO spricht von Kokon-Strategie: Ist das Umfeld geimpft, kann der - noch ungeimpfte - Säugling nicht angesteckt werden. Denn nach Studiendaten wurde jedes zweite Baby, das wegen Keuchhusten auf die Intensivstation musste, von den eigenen Eltern angesteckt. Dabei ist der Begriff Umfeld weit auszulegen: von den Eltern, zu den Geschwistern, deren Freunden, den Großeltern und auch den anderen Verwandten, wenn sie regelmäßig zu Besuch kommen.

Doch aktuelle Studiendaten zeigen Lücken im Impfschutz. Bei Kindern und Jugendlichen, die eigentlich alle gegen Pertussis geimpft sein sollten. In den alten Bundesländern ist mehr als jeder zweite 14- bis 17-Jährige nicht gegen die Erkrankung geimpft. Die Folge: weniger Impfschutz, höhere Erkrankungszahlen, mehr zirkulierende Erreger, höhere Gefährdung auch der Kleinsten.

Die Pertussis-Impfung ist also nicht nur ein individueller Schutz des Impflings. Impflücken zu schließen bedeutet, die Gemeinschaft insgesamt zu schützen - und damit auch diejenigen, die (noch) nicht geimpft werden können.

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