Ärzte Zeitung, 19.09.2008

Praxis


Gewinner des Prix Galien Belgien 2007, des Prix Galien Frankreich 2007, des Prix Galien Niederlande 2007 und des Prix Galien USA 2007. Kandidat für den Prix Galien International 2008.
Hier stellt sich der Kandidat vor.

Am effektivsten ist Impfen vor dem ersten Geschlechtsverkehr

Gynäkologen setzen auf die HPV-Impfung. Denn trotz Krebsvorsorge erkranken in Deutschland jedes Jahr immer noch mehr als 6000 Frauen an einem Zervix-Karzinom.

"Noch immer erkranken in Deutschland zu viele Frauen an einem Zervix-Karzinom", sagt Professor Peter Hillemanns von der Medizinischen Hochschule Hannover. Eine Schutzimpfung zusätzlich zur jährlichen Krebsvorsorge komme daher gerade recht.

Immerhin schütze die Impfung mit Gardasil® zu nahezu 100 Prozent vor HPV-16/18-assoziierten Krebsvorstufen der Zervix. Die beiden Virustypen lösen zusammen mehr als 70 Prozent aller Zervix-Karzinome aus. Bei einer hohen Durchimpfungsrate von mindestens 70 bis 80 Prozent könne also mit einer drastischen Reduktion der Zahl der an einem Zervix-Karzinom erkrankten Frauen gerechnet werden.

Diese Rechnung geht nach Angaben des Gynäkologen aber nur dann auf, wenn die Frauen rechtzeitig, das heißt vor dem ersten Geschlechtsverkehr, geimpft werden. Hillemanns: "Bei Frauen, die vor der Impfung bereits mit HPV-16 oder -18 infiziert sind, nützt diese Maßnahme weniger, und bei Frauen, die mit beiden Virustypen infiziert sind, überhaupt nichts mehr."

Der Gynäkologe plädiert dafür, Mädchen so früh wie möglich zu impfen, da Jugendliche heutzutage immer früher sexuell aktiv werden.

Die HPV-Impfung wird nach den Erfahrungen von Hillemanns allgemein gut vertragen. Die in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung stehenden Todesfälle bei zwei Mädchen sind für den Experten kein Grund, von der Impfung abzuraten. Erstens handele es sich um einen Totimpfstoff, sodass kaum eine Gefahr von der Vakzine ausgehe.

In beiden Fällen erklärten die zuständigen Behörden nach eingehender medizinischer Untersuchung, dass es sich um unklare plötzliche Todesfälle handele. Diese könnten in jedem Lebensalter auftreten, unabhängig von vorangegangenen Impfungen. Durch die große Zahl an Impfungen pro Jahr sei es nicht verwunderlich, dass sich ein solcher Todesfall in zeitlicher Nähe zur Impfung ereignet.

Hillemanns hält es für einen großen Vorteil, dass die tetravalente Vakzine auch vor Infektionen mit HPV 6 und 11 und somit vor Genitalwarzen schützt. Diese seien hoch ansteckend und oft stark beeinträchtigend. Und 30 Prozent der Patienten bekommen trotz laserchirurgischer Behandlung Rezidive. Für den Gynäkologen gibt es noch ein weiteres Argument für eine effektive Prävention gegen die HPV-Typen 6 und 11: Sie sind für 10 bis 20 Prozent der niedrig-gradigen Dysplasien an der Zervix ursächlich.

Nach Schätzungen kommen etwa 70 Prozent aller sexuell aktiven Menschen mit HPV-Viren in Kontakt. Bei den meisten HPV-Infizierten (70 bis 80 Prozent) heilt die Infektion jedoch ohne Symptome aus (Der Gynäkologe 39, 2006, 122). Etwa 20 Prozent entwickeln eine subklinische und 10 Prozent eine manifeste Infektion. Von 10 manifest infizierten Frauen entwickeln 2 bis 3 eine CIN 2/3. Diese führt bei 30 bis 50 Prozent der betroffenen Frauen zum Zervix-Karzinom. (ikr)

Weitere Beiträge zur Serie:
"Innovationen - Forschung in Deutschland und international"
Folge 26:


Folge 25:


Folge 24:


Folge 23:



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