Ärzte Zeitung, 14.05.2009

Weniger invasive Peumokokken-Erkrankungen

Seit Aufnahme der Pneumokokken- Impfung in den Impfkalender für Säuglinge und Kleinkinder hat sich die Zahl invasiver Pneumokokken-Infektionen (IPD) halbiert. Ein neuer Impfstoff verbreitert jetzt den Schutz.

Von Beate Grübler

Allen Kindern bis zu 24 Monaten wird die Impfung mit dem konjugierten Pneumokokkenimpfstoff empfohlen.

Foto: Klaro

Die STIKO empfiehlt sei Juli 2006 die generelle Impfung aller Kinder gegen Pneumokokken. Bereits im ersten Halbjahr 2007 wurden nur noch 75 IPD-Fälle gemeldet im Vergleich zu Fallzahlen zwischen 112 und 142 in den jeweils ersten Halbjahren 1997 bis 2003.

Wie Privatdozent Johannes Liese aus München bei einem Kinderärzte-Kongress in Bremen berichtet hat, hat sich durch die Impfung das Spektrum der Pneumokokken-Serotypen nicht verändert. Am häufigsten ist nach wie vor der Serotyp 14, der für 19 Prozent der IPD-Erkrankungen ursächlich ist. Es folgt der Serotyp 7F mit einem Anteil von 10 Prozent. "Er verursacht besonders schwere Krankheitsverläufe und ist der Serotyp mit der höchsten Sterberate bei Kindern", sagte Liese bei einer Veranstaltung von GlaxoSmithKline. An dritter Stelle steht nach der aktuellen RKI-Auswertung (bis Januar 2009) der Serotyp 1, der neuerdings bei Kindern mit Pleuraempyemen vermehrt nachgewiesen wird.

Mit dem neuen 10-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff Synflorix®, der seit April im Handel ist, werden nun auch bisher nicht impfpräventable Serotypen abgedeckt. Denn zusätzlich zu den auch im herkömmlichen 7-valenten Impfstoff enthaltenen Serotypen (4, 6V, 9V, 14, 18C, 19F, 23F) enthält der neue Impfstoff die Serotypen 1, 5 und 7F.

Der 10-valente Impfstoff liefert damit einen breiteren Impfschutz speziell für Europa; einen ähnlichen Ansatz verfolgt ein noch nicht zugelassener 13-valenter Impfstoff.

Impfschutz für Europa ist breiter geworden.

Wichtig sind diese Neuentwicklungen nach Angaben von Liese auch zur Prävention von bakteriell verursachten akuten Mittelohrentzündungen, die häufig durch Pneumokokken ausgelöst werden. "Jedes dritte Kind hat in den ersten sechs Lebensjahren mindestens einmal eine akute Otitis media", so Liese.

Obwohl die Anwendung von Antibiotika in dieser Indikation umstritten ist, sind akute Otitiden der häufigste Grund für Antibiotikaverordnungen. Auch im Hinblick auf mögliche Antibiotikaresistenzen ist es nach Angaben von Liese erforderlich, mit neuen Pneumokokken-Impfstoffen das Infektionsrisiko zu verringern.

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