Ärzte Zeitung online, 18.12.2009

Harald zur Hausen: Es wird zu wenig gegen HPV geimpft

KONSTANZ (dpa). Der Heidelberger Krebsforscher und Nobelpreisträger Professor Harald zur Hausen zieht eine negative Bilanz zur Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. "Ich habe gehört, dass ungefähr ein Drittel der Mädchen, die im entsprechenden Alter wären, inzwischen geimpft wurden. Die Zahl ist aus meiner Sicht viel zu gering."

Dafür habe er kein Verständnis, sagte der 73-Jährige dem in Konstanz erscheinenden "Südkurier" (Freitagsausgabe). Schließlich sei inzwischen bekannt, dass die Impfung nicht gefährlicher sei als jede andere.

Was die Wirksamkeit der Impfung angehe, so sei klar belegt, dass sie gegen die essenziellen Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses schütze. "Diese Vorstufen erfordern in Deutschland nach Angaben der Krankenkassen ungefähr 140 000 Eingriffe", so der Krebsforscher weiter.

Zur Hausen hatte 2008 den Nobelpreis für Medizin erhalten. Er hatte entdeckt, dass Gebärmutterhalskrebs durch die Infektion mit sogenannten humanen Papillomviren ausgelöst wird und einen Impfstoff entwickelt.

Zur Hausen plädierte auch für die Impfung gegen Schweinegrippe: "Ich habe mich selbst dagegen impfen lassen und halte es für wichtig, dass wir einen gewissen Impfschutz in der Bevölkerung haben, um die weitere Ausbreitung zu verhindern", sagte er dem Blatt. Nur, wenn sich ein großer Teil der Deutschen impfen ließe, könne die Infektionskette unterbrochen werden.

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