Ärzte Zeitung online, 29.01.2010

Bill Gates spendet 10 Milliarden Dollar für Impfungen in Entwicklungsländern

DAVOS (eb). Die Bill- und Melinda- Gates-Stiftung will in den nächsten zehn Jahren 10 Milliarden US-Dollar (etwa 7,1 Mrd. Euro) für die Entwicklung und Bereitstellung von Impfstoffen für die ärmsten Länder der Welt zur Verfügung stellen. Das hat das Ehepaar Gates beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos erklärt.

Bill Gates spendet 10 Milliarden Dollar für Impfungen in Entwicklungsländern

Gute Neuigkeiten hatte Bill Gates auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zu verkünden. © dpa / Bildfunk

Schon bisher hat die Stiftung 4,5 Milliarden US-Dollar (etwa 3,2 Mrd. Euro) für Impfstoffe für Entwicklungsländer gespendet. "Impfstoffe sind ein Wunder - mit nur wenigen Dosen schützen sie ein Leben lang vor tödlichen Krankheiten", betonte Melinda Gates. "Wir haben Impfstoffe zur höchsten Priorität der Gates Foundation gemacht".

Zusammen mit der Globalen Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI Alliance) wird eine signifikante Aufstockung lebensrettender Impfstoffe in Entwicklungsländern angestrebt. Durch eine Abdeckung von 90 Prozent - neue Impfstoffe gegen schwere Diarrhö und Lungenentzündung inbegriffen - könnte nach einer US-Modellrechnung in den nächsten zehn Jahren das Überleben von etwa 7,6 Millionen Kindern unter 5 Jahren gesichert werden. Darüber hinaus könnten nach Einschätzung der Stiftung weitere 1,1 Millionen Kinder vor dem Tod bewahrt werden, wenn ein Malaria-Impfstoff ab 2014 schnell eingeführt wird. Potenziell ließen sich also bis zu 8,7 Millionen Leben im nächsten Jahrzehnt retten.

Die Stiftung weist auf die Fortschritte von Impfprogrammen in Entwicklungsländern in den vergangenen Jahren hin:

  • Nach neuen Daten der WHO haben die Impfquoten weltweit ein Allzeithoch erreicht und sich vom jahrelangen Rückgang in den 1990er-Jahren erholt. Zwischen 2000 und 2009 stieg in den ärmsten Ländern der Welt der Anteil von Kindern, die die Grundimmunisierung mit dem DTP-Impfstoff (Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten) erhielten, von 66 Prozent auf 79 Prozent. Die Zahl der Sterbefälle durch Masern fiel zwischen 2000 und 2008 weltweit um 77 Prozent, in Afrika sogar um 92 Prozent.
  • Öffentliche und private Partnerschaften mit Schwerpunkt auf der Bekämpfung von Krankheiten wie Polio und Masern tragen ebenfalls zu einer stabileren Grundlage für die Bereitstellung sowohl neuer als auch herkömmlicher Impfstoffe bei. Ausgebildetes Gesundheitspersonal, eine funktionierende Kühlkette sowie fortlaufende Überwachung sind allesamt notwendig, damit die Impfstoffe bedürftige Kinder auch erreichen.
  • Neue Impfstoffe - etwa gegen Rotavirus-Diarrhö und Pneumokokken - werden zunehmend verfügbar. Laut Forschungsergebnissen hat die Einführung eines Impfstoffes gegen das Rotavirus in Südafrika und Malawi die Zahl der durch das Virus verursachten Durchfallerkrankungen um mehr als 60 Prozent gesenkt.
  • Die Zahl der aktuell in der Entwicklung befindlichen Impfstoffe ist stabiler als je zuvor. Ein vielversprechender Impfstoff für Kinder gegen Malaria wird bereits in Phase III geprüft, ein neuer Impfstoff gegen Meningitis-Epidemien in Afrika wird voraussichtlich noch dieses Jahr eingeführt.

Viele Fortschritte in der Impfstoffentwicklung der vergangenen Jahre wurden durch öffentlich-private Partnerschaften wie der GAVI Alliance vorangetrieben. Diese koordinieren die Ressourcen und Kompetenzen von Impfstoffunternehmen, Spendern, UNICEF, WHO, Weltbank und den Entwicklungsländern.

Die GAVI Alliance wurde auf dem Weltwirtschaftsforum vor 10 Jahren ins Leben gerufen. Die Organisation hat 257 Millionen Kinder zusätzlich mit Impfstoffen erreicht und damit schätzungsweise fünf Millionen Menschen vor dem Tod bewahrt. In den kommenden Jahren will sich GAVI auf die schnelle Einführung von Impfstoffen gegen Diarrhö und Lungenentzündung konzentrieren.

Weitere Milliardensummen sind jedoch nötig, um das Ziel einer 90-prozentigen Abdeckung im Impfschutz von Kindern zu erreichen. Kritische Finanzierungslücken belasten die GAVI und die weltweiten Programme zur Bekämpfung von Kinderlähmung und Masern. Bill und Melinda Gates riefen daher Regierungen und Privatpersonen dazu auf, kritische Finanzierungslücken für Impfprogramme zu schließen.

In einem Kommentar zur Ankündigung der Gates-Stiftung sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan: "Das große Engagement der Gates-Stiftung für Impfstoffe ist beispiellos, jedoch nur ein Bruchteil dessen, was nötig ist. Es ist absolut entscheidend, dass sich Politik und Wirtschaft mehr dafür einsetzen, besonders bedürftige Kinder mit lebensrettenden Impfstoffen zu versorgen."

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