Ärzte Zeitung online, 07.02.2010
Warum es zurzeit Engpässe bei Impfstoffen für Kinder gibt
NEU-ISENBURG (gwa). Der Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix®
ist - anders als in diversen Medien berichtet - nicht der Grund, dass es
zu den derzeitigen Engpässen beim Sechsfach-Impfstoffs Infanrix
hexa® für Säuglinge kommt. Die Produktion einer
Komponente des Vierfach-Impstoffs Priorix Tetra® indes wurde
zugunsten des H1N1-Impfstoffs ausgelagert, was die Auslieferung
beeinflusst.

Zurzeit können wegen einiger Engpässe bei Impfstoffen nicht alle Kinder geimpft werden. © Nobilor / fotolia.com
Darauf wies Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) in einem Gespräch
mit der "Ärzte Zeitung" hin. Mit dem Sechsfach-Impfstoff werden
Säuglinge mit einer einzigen Impfung gegen Diphterie, Tetanus,
Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und gegen Hämophilus
influenzae Typ B (Hib) immunisiert; mit dem Vierfach-Impfstoff wird
gegen Mumps, Masern, Röteln und Windpocken geimpft.
Die derzeitigen Lieferprobleme bei dem Sechsfach-Impfstoff liegen
nach Angaben von GSK an der Hib-Komponente. Durch eine geänderte
Qualitätsfreigabe sei es zu verspäteten Freigaben einzelner
Chargen gekommen. Dies wird zu Verspätungen bis in das zweite
Quartal führen, wie GSK mitteilte Der Hersteller geht aber davon
aus, dass der Markt spätestens Ende Februar wieder beliefert
werden kann, sodass es bei geplanten Impfungen zu einer
Verzögerung von nicht mehr als vier bis sechs Wochen komme.
Bei dem Vierfach-Impfstoff hat indes die Produktion des
Schweinegrippe-Impfstoffs zu einer Verzögerung in der Auslieferung
geführt. Die Produktion des Puffersubstrats der Kombi-Vakzine
wurde in ein anderes Werk verlegt, um Kapazitäten für die
H1N1-Vakzine frei zu machen. Diese geänderte Produktionsweise
führt derzeit zu einer verspäteten Freigabe und
entsprechenden Lieferverzögerungen, wie GSK mitteilte. Auch einige
andere Impfstoffe sind von Lieferengpässen betroffen.
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte berichtet, dass die
Produktion des H1N1-Impfstoffs Ursache für die Lieferprobleme auch
des Sechsfach-Impfstoffs sei (wie kurz berichtet).
In der Zeitung hatte Dr. Ursel Lindlbauer-Eisenach, Kinder- und
Jugendärztin aus München und Mitglied der Ständigen
Impfkommission, auch beklagt, der Hersteller habe die Kinderärzte
und die STIKO nicht rechtzeitig informiert.
GSK wies darauf hin, dass am 13. Januar die zunächst letzte
Auslieferung des Sechsfach-Impfstoffs erfolgte und der Großhandel
zu diesem Zeitpunkt noch Impfdosen für etwa zwei Wochen auf Lager
gehabt habe. Am 15. Januar seien dann die Kinderärzte, alle
Apotheken, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), die europäische
Arzneimittelagentur EMEA, die STIKO sowie etliche Verbände
über die bevorstehenden Lieferprobleme informiert worden.
Am 25. Januar seien nochmals 34 000 Dosen des
Sechsfach-Impfstoffs ausgeliefert worden, und am 28. Januar habe es
eine weitere schriftliche Information an alle gegeben. Gleichzeitig
wurde eine für Fachkreise nach Login zugängliche ständig aktualisierte Liste von betroffenen Impfstoffen und voraussichtlicher Lieferung
online gestellt (per DocCheck-Passwort einloggen und dann rechts in der
Navigation auf "Informationen zur Liefersituation Impfstoffe" klicken).

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