Ärzte Zeitung, 26.04.2010

Das Impf-Dilemma: Bleiben alle gesund, sinkt das Risikobewußtsein

Viele Infektionskrankheiten haben durch Impfungen inzwischen ihren Schrecken verloren. Doch die Akzeptanz von Impfungen sinkt - nicht zuletzt durch die Diskussion um die Schweinegrippe.

Von Sunna Gieseke

Das Impf-Dilemma: Bleiben alle gesund, sinkt das Risikobewußtsein

Es gab großes Gedränge und viel Chaos: Die Diskussion um die Schweinegrippe hat viele Patienten verwirrt. © dpa

BERLIN. Kaum ein Gesundheitsthema ist so viel diskutiert worden, wie die Schweinegrippe. Zurückgelassen wurde eine verwirrte Bevölkerung. "Teilweise stand in einer Zeitung etwas über die Gefahr der Pandemie sowie über einen tödlichen Verlauf einer Impfung", sagte Professor Fred Zepp, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin und Mitglied der ständigen Impfkommission (STIKO), anlässlich der Impfwoche vom 24. April bis zum 1. Mai in Berlin. Damit habe man dem Impfgedanken einen Bärendienst erwiesen. Dem stimmt auch Erwin Rüddel (CDU), Mitglied des Bundestages, zu: "Die Diskussion um die Schweinegrippe strahlt nun auf die allgemeine Akzeptanz der Impfungen aus." Dabei seien Impfungen immer noch eine effektive und kostengünstige Maßnahme gegen Infektionskrankheiten. Schließlich könne man damit zehn bis zwölf Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage, die auf eine Influenza zurückzuführen sind, reduzieren. Es gebe eine massive Diskrepanz zwischen der Impfquote bei Kleinkindern und älteren Menschen, bemängelte Dr. Gabrielle Ellsäßer vom Landesgesundheitsamt Brandenburg. Sinnvoll wäre ein Präventionsfonds, der länderübergreifend gezielte Maßnahmen zur Erhöhung der Impfquote finanzieren könnte, forderte Ellsäßer.

Es sei immer eine Gefahr, dass -sobald die Bedrohung durch Infektionskrankheiten nachlasse - die Bevölkerung Impfungen nicht mehr in Anspruch nehmen, warnte Zepp. Masern werden zum Beispiel immer noch als harmlose Kinderkrankheit angesehen. Dabei könne man auch diese Erreger - ähnlich wie bei den Pocken - erfolgreich zurückdrängen. Dazu müsse man 95 Prozent der Bevölkerung immunisieren. "Tatsächlich erhalten aber nur 88 Prozent die wichtige und für den Schutz entscheidende zweite Maserimpfung", so Zepp. Allein in Berlin seien Anfang 2010 insgesamt 62 neue Masernfälle an Schulen und Kindergärten gemeldet worden. Hier müsse dringend intensive Aufklärungsarbeit geleistet werden, so Zepp.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »