Ärzte Zeitung, 22.03.2011

Last-Minute-Reisen: Was sich noch impfen lässt

Für eine reisemedizinische Beratung ist es nie zu spät: Selbst am Abreisetag können noch Impflücken geschlossen und kann etwa gegen Hepatitis A geimpft werden.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Last-Minute-Reisen: Was sich noch impfen lässt

Jede zwölfte Fernreise von Deutschen ist eine Last-Minute-Reise: Reisemedizinische Beratung ist dabei auch "kurz vor knapp" sinnvoll.

© racamani / fotolia.com

BERLIN. Der Trend im Tourismus geht zwar zu frühen Buchungen. Doch "Last Minute" bleibt ein wichtiges Segment. Die reisemedizinische Beratung gehört auch "kurz vor knapp" dazu. Denn viele Impfungen sind kurzfristig möglich.

Etwa jede zwölfte Fernreise von Deutschen ist eine Last-Minute-Reise. Per Definition sind das Reisen, die maximal 14 Tage vor Antritt gebucht werden. Nicht viel Zeit für die Reisemedizin. "Zu behaupten, es lohne sich bei Last-Minute-Reisen nicht, sich noch reisemedizinisch beraten zu lassen, ist aber Quatsch", betont Privatdozent Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf.

Besonderen Wert legt Jelinek darauf, dass zahlreiche Impfungen auch "last minute" noch möglich sind. Dazu gehören sämtliche Auffrischimpfungen aus dem normalen Impfprogramm, die wegen des bestehenden Impfgedächtnisses nach Injektion praktisch einen Sofortschutz bieten. Für die teilweise verpflichtende Gelbfieberimpfung reicht eine Frist von sechs bis sieben Tagen.

Obsolet: Immunglobuline zur Hepatitis-A-Prophylaxe

Aber auch fakultative Reiseimpfungen lohnen sich trotz knapper Frist. "Gegen Hepatitis A etwa kann selbst am Tag der Abreise noch geimpft werden", so Jelinek bei einem Symposium anlässlich der Tourismusbörse ITB in Berlin.

Es gebe immer noch Ärzte, die bei kurzfristig reisenden Patienten Immunglobuline als Hepatitis-A-Schutz verordneten. Das sei definitiv obsolet. Es gebe sogar Studien, die zeigten, dass die Hepatitis-A-Impfung sogar postexpositionell nicht weniger wirksam sei als Gammaglobuline, betonte der Experte.

Sind noch 10 bis 14 Tage Zeit bis zum Beginn der Last-Minute-Tour, dann kommen - je nach Reiseland - einige weitere Impfungen infrage, vor allem die Typhus-Impfung, die Cholera-Impfung und die Meningitis-Impfung. "Gerade die Cholera-Impfung empfehle ich gerne, weil sie auch einen etwa 50-prozentigen Schutz vor Reisedurchfällen bietet. Die sind bei Last-Minute-Reisen besonders ärgerlich", betonte Jelinek.

Die Meningitis-Impfung sollte schon wegen der Gefährlichkeit der Erkrankung auch bei kurzfristig anberaumten Reisen in Risikogebiete dazugehören. Dr. Ernst Diekmann von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) legte die Meningitis-Impfung besonders Reisenden in die zunehmend populären Staaten Westafrikas nahe. "Wir haben dort die höchsten Inzidenzen weltweit.

Die Serotypen A, C, W135 und Y können durch eine Impfung verhindert werden, und das sollte man bitte auch machen", so Diekmann. Sorgen bereite derzeit speziell in Westafrika der neue Meningitis-Serotyp X, bei dem die Impfung nicht greife. Er sei aber noch vergleichsweise selten.

Gegen Tollwut gibt es ein Schnellimpf-Schema

Impfungen, die für einen guten Schutzeffekt mehrere Injektionen benötigen, sind bei Last-Minute-Reisen naturgemäß nicht mehr sinnvoll. In diese Kategorie gehören die Impfungen gegen Hepatitis B, Japan-Enzephalitis (JE) und FSME. So erreiche man bei der JE durch einmaliges "Animpfen" nur einen Schutzeffekt von 30 Prozent, so Jelinek.

Anders bei der Tollwut: Hier gibt es außer dem üblichen, für Last-Minute-Reisen ungeeigneten Impfschema an den Tagen 0, 7 und 21 ein Ausweichschema an den Tagen 0, 3 und 7. "Das geht auch, und das würde ich bei besonderem Risiko auch machen", so Jelinek. Der Backpacker mit der kurzfristig anberaumten Reise ins ländliche Südostasien wäre für ihn ein typischer Kandidat.

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