Ärzte Zeitung App, 26.08.2014

Polio

Ruf nach mehr Schutz in Deutschland

Reisemediziner plädieren zum Schutz vor Poliomyelitis für Impfauffrischungen alle zehn Jahre.

DÜSSELDORF. In Deutschland werden Kinder in der Regel im ersten und zweiten Lebensjahr mehrmals gegen Polio geimpft. Eine einmalige Auffrischung empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) für Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr.

Weitere Impfungen sind nach Ansicht der STIKO nicht nötig, außer für medizinisches Personal und Reisende in Polio-Endemiegebiete. Diese Empfehlung ist umstritten: Reisemediziner plädieren für einen Polio-Booster für Erwachsene alle zehn Jahre.

Aktueller Anlass dafür ist ein mutiertes Poliovirus, gegen das die Impfstoffe nur schlecht wirken. Forscher der Universität Bonn hatten den Erreger kürzlich von Opfern eines Poliomyelitis-Ausbruchs im Kongo im Jahr 2010 isoliert. Der Ausbruch im Kongo konnte damals nur durch ein massives Impfprogramm und durch Hygienemaßnahmen beendet werden.

"Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, weltweit noch höhere Durchimpfungsraten zu erreichen", betont Professor Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter vom CRM Centrum für Reisemedizin. "Nur so kann verhindert werden, dass sich das Poliovirus weiter ausbreitet und damit möglicherweise auch weiter mutiert", wird Jelinek in einer Mitteilung des CRM zitiert.

In Deutschland empfiehlt die Sächsische Impfkommission (SIKO) bereits routinemäßige Booster der Polio-Impfung alle zehn Jahre. "Auch das CRM Centrum für Reisemedizin rät dazu, die Impfung alle zehn Jahre zu erneuern, solange das Virus weltweit nicht ausgerottet ist", so Jelinek.

Der Polio-Totimpfstoff erzeugt nur eine zeitlich begrenzte Immunität. Durch Booster alle zehn Jahre wird der Schutz aufgefrischt.

"Es besteht immer die Gefahr eines Imports des Virus nach Deutschland. Nur durch eine möglichst hohe Impfquote in der Bevölkerung wird dem Virus jeglicher Rückzugsraum genommen", betont das CRM. Auch kann jeder Mensch ohne vollständigen Impfschutz ein Hort für den Erreger sein, ohne selbst zu erkranken. (eis)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

Die neue Statistik der Bundesärztekammer liegt vor. Sie zeigt, wo die meisten Behandlungsfehler passierten und wie die Schlichterstelle meistens entschied. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »