Ärzte Zeitung, 02.02.2016

Zellforschung

Forscher finden neuen Ansatz für Impfstoffe

Mit Membranvesikeln entsorgen Bakterien Toxine in ihren Wirt. Ein neuer Ansatz für Impfstoffe?

GRAZ. Einen Ansatz für neuartige Impfstoffe hat jetzt ein Forscherteam um Professor Stefan Schild vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz vorgestellt. Die Technik basiert auf Außenmembranvesikeln, das sind abgestoßene Außenhäute spezifischer Bakterien - darunter die Erreger von Cholera oder schwerer Atemwegsinfektionen. Der Mensch entwickelt Antikörper gegen die Vesikel, so die Universität Graz in einer Mitteilung.

Entstehung und Funktion der Vesikel haben Schild und seine Kollegen untersucht (Nature Communications 2016; online 25. Januar). Danach haben gram-negative Bakterien einen Lipidtransporter, der Außenmembran-Fettbestandteile wieder ins Innere des Bakteriums befördert. Als "Schalter" für das System fungiert Eisen.

Ist davon nicht ausreichend vorhanden, wird der Transporter gestoppt. In Folge häufen sich Fette in der Bakterienhülle so stark an, dass sie Ausbuchtungen bekommt. "Schließlich spaltet sich die Außenhaut kugelförmig ab und befördert auf diesem Weg auch Gifte in den Wirt, die Krankheiten auslösen", so Schild in der Mitteilung.

"Wir beginnen erst zu verstehen, welche Rolle die Außenmembranvesikel genau spielen. Zusammenfassend lässt sich aber feststellen, dass sie für die Bakterien Stoffe ab- und zuführen können", erklärt der Wissenschaftler weiter. Damit wird nun erstmals klar, warum viele bakterielle Erreger Toxine in diese Kügelchen verpacken. Da die Mikroorganismen im menschlichen Körper niemals ausreichend Eisen bekommen, produzieren sie rasch sehr viele dieser für den Wirt schädlichen Vesikel.

Diese Erkenntnis hilft, die Menge der Außenmembranvesikel und damit des Impfstoffes zu steuern. Ist die Krankheit bereits ausgebrochen, ist ein neuer Therapieansatz denkbar: "Wenn man in das Transportsystem der Mikroorganismen eingreift und die Abspaltung der Vesikel stoppt, könnte man etwa die Aussendung von Toxinen verhindern", so Schild. (eb / eis)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Langfristige Therapien? Leider Fehlanzeige!

Forscher kritisieren: Adipositas wird immer noch eher als Charakterschwäche denn als Krankheit angesehen. Sie fordern zur Therapie schwer betroffener Kinder besondere Konzepte. mehr »

Rettungsdienste rüsten auf

Bombenexplosion, Messerattacke, Anschlagpläne: Deutschland sieht sich im Visier islamistischer Terrorgruppen. Nun rüsten sich die Rettungsdienste, auch für die Gefahr eines "Zweitschlags". mehr »

Diesen Spielraum haben Sie bei der zweiten Diagnose

Der "Behandlungsfall" ist auf einen Monat und auf dieselbe Erkrankung eingegrenzt. Hierauf bezogene Abrechnungslimits werden demnach durch die Diagnosestellung relativiert. Zweite Erkrankung heißt: neuer Behandlungsfall. mehr »