Ärzte Zeitung, 15.08.2016

Kommentar

Impfstoffe sind ein seltenes Gut

Von Wolfgang Geissel

Die Liste der in Deutschland vergriffenen Impfstoffe wird immer länger, und Ärzte werden sich in den nächsten Jahren auf den Mangel einstellen müssen.

Denn die Ursachen für die Lieferengpässe sind strukturell bedingt und können nicht schnell behoben werden: Zum einen gibt nur noch wenige Impfstoff-Hersteller, die Produktion der Präparate ist langwierig und dauert Monate bis Jahre.

Auch ist die Produktion mit lebenden Organismen nicht vollkommen kontrollierbar; immer wieder sind deshalb unbefriedigende Komponenten im Herstellungsprozess zu verwerfen. Zum anderen steigt die Nachfrage nach modernen Impfstoffen in Schwellenländern an.

Und bei Epidemien werden immer wieder unvorhersehbare Kapazitäten in Krisengebieten gebraucht. So häufen sich momentan in Tansania und Indien die Cholerafälle.

Und die WHO hat gerade große Not, Menschen in Ländern mit Gelbfieber-Ausbrüchen in Afrika und Südamerika mit dem Impfstoff zu versorgen; bei uns ist die Vakzine vergriffen.

Ärzte in Deutschland müssen jetzt immer öfter die Verteilung knapper Vakzinen organisieren und priorisieren: Kann nicht auf alternative Präparate zurückgegriffen werden, dürfen nur noch die am stärksten gefährdeten Menschen unmittelbar den Schutz bekommen.

Lesen Sie dazu auch:
Lieferengpass: Impfstoff gegen Cholera ist vergriffen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »

Ein Wettbewerbsverbot ohne Entschädigung ist ungültig

Wettbewerbsverbot ohne Karenzentschädigung? Das geht nicht, urteilt das Bundesarbeitsgericht. Ist das im Arbeitsvertrag dennoch so vorgesehen, können Arbeitnehmer nachträglich aber kein Geld einklagen. mehr »