Ärzte Zeitung, 22.01.2004

KOMMENTAR

Grippeschutz ist nicht Erkältungsschutz

Von Wolfgang Geissel

Nach Studienergebnissen schützen Grippe-Vakzinen je nach Alter und Immunstatus 50 bis 80 Prozent der Impflinge vor einer Influenza. Sie schützen jedoch nicht gegen die vielen anderen Erreger von Erkältungskrankheiten wie Rhinoviren oder Parainfluenzaviren.

Bekommen also Menschen trotz Influenza-Impfung fiebrige Erkältungskrankheiten, dann läßt sich das selbstverständlich nicht als Impfversagen definieren. US-Forscher jedoch haben genau das getan. Es ist daher unverständlich, daß der Bericht der Forscher in dem von den US-Behörden CDC (Centers for Disease Control) herausgegebenen "Morbidity and Mortality Weekly Report" erscheinen konnte.

Wenn auch die Zweifel an der Wirksamkeit der Influenza-Vakzine unberechtigt sind, so entscheiden jedoch einige Dinge wesentlich über den Schutz. So ist es sehr wichtig, daß Patienten jedes Jahr geimpft werden. Das häufige Wiederholen führt zu Auffrisch-Effekten, die die Schutzwirkung weiter erhöhen.

Auch schützen die Vakzinen umso besser, je besser die aktuell zirkulierenden Grippeviren durch die Impfstämme abgedeckt werden. Probleme bereiten dabei die langen Produktionszeiten konventioneller Grippe-Vakzinen. Damit sie pünktlich fertig sind, muß ein halbes Jahr vor der Grippesaison über ihre Zusammensetzung entschieden werden. Abhilfe könnten künftig schneller herstellbare Zellkultur-Impfstoffe bieten, die bald auf den Markt kommen sollen.

Lesen Sie dazu auch:
Zweifel an Grippe-Impfstoff unberechtigt

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