Ärzte Zeitung, 27.01.2004

Vogelgrippe vom Grillhuhn - das gibt’s nicht

Nur geringe Infektgefahr durch Vogel-Influenzaviren / Furcht vor genetischem Austausch mit humanen Viren

NEU-ISENBURG (eis). "An Vogelgrippe steckt man sich nicht bei einem Sitznachbarn im Flugzeug an", sagt Professor Wolfgang Jilg von der Ständigen Impfkommission. Menschen infizierten sich durch intensiven Kontakt mit Geflügel, etwa bei der Arbeit auf Hühnerfarmen, so Jilg zur "Ärzte Zeitung". Es gibt daher keinen Grund, vor Reisen nach Asien zu warnen.

In Thailand sind jetzt Soldaten auf Geflügelfarmen abgeordnet worden, um Hühner zum Eindämmen der Tierseuche zu töten. Foto: dpa

Die Vogel-Influenzaviren H5N1 haben inzwischen in mehreren asiatischen Ländern Geflügelbestände befallen: außer in Vietnam und Thailand - wo auch Menschen an Vogelgrippe erkrankt und gestorben sind - tritt die Tierseuche in Südkorea, Kambodscha, Taiwan, Japan, Indonesien und Pakistan auf.

Menschen selbst haben sich bisher offenbar nur bei Tieren angesteckt. Eine Infektion über Hühnerfleisch ist sehr unwahrscheinlich. "Wer das Fleisch nicht roh ißt, wird sich auch mit Sicherheit nicht darüber mit Influenza infizieren", sagt Jilg.

Die Befürchtung ist jedoch: Kommt es bei Menschen (oder auch bei Schweinen) zu Doppelinfektionen mit Vogelviren und Menschen-Influenzaviren, dann können die Erreger Segmente ihres Erbguts austauschen. Dabei könnten völlig neue, für Menschen hochinfektiöse und hochpathogene Viren entstehen. Solche genetisch veränderten Influenza-Viren standen im vergangenen Jahrhundert am Beginn großer Influenza-Pandemien mit Millionen Toten weltweit.

Um eine Kreuzung von Menschen- und Vogel-Influenzaviren zu verhindern, werden daher jetzt in Asien Millionen von Tieren getötet. Außerdem arbeitet die WHO mit Nachdruck an einem Impfstoff gegen das Vogelvirus, denn die aktuellen Grippe-Impfstoffe schützen nicht gegen den Erreger.

"Wenn wirklich die drohende Gefahr einer Pandemie besteht, dann bestünde die Möglichkeit, auf der Basis von Zellkulturen schnell einen Impfstoff herzustellen", sagt Jilg. Außerdem wirkten die Neuraminidasehemmer gegen Infektionen mit dem Vogelvirus.

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