Ärzte Zeitung, 16.09.2008

Kommentar

Grippeimpfung über 60? Ja sicher!

Von Philipp Grätzel von Grätz

Schon klar: Wenn das Robert-Koch-Institut vorrechnet, die Grippeimpfung bei Senioren habe allein in Deutschland in sechs Jahren über 5000 Todesfälle verhindert, ist das nicht evidenzbasiert. Es ist aber doch eine Aussage mit Gewicht. Das gilt vor allem angesichts einiger retrospektiver Kohortenstudien, in denen die Impfung Gesamtsterberate oder Pneumonien nur mäßig reduzierte.

Solche Versorgungsforschung ist wichtig, es gibt sie viel zu wenig. Es gilt aber aufzupassen, wie man sie interpretiert. Diese Studien sagen nämlich nichts aus über die Wirksamkeit der Impfung, sondern nur über einen von vielen Einflussfaktoren bestimmten Populationseffekt.

Für seine Hochrechnung hat das RKI nun - auch als Reaktion auf die kritischen US-Studien - die Annahmen zur Wirksamkeit der Impfung eher konservativ angesetzt. Dass sie dennoch pro Jahr tausend grippebedingte Todesfälle bei Senioren verhindern dürfte, ist eine Nachricht, die anspornt für die anstehende Impfsaison.

Lesen Sie dazu auch:
Grippeimpfung hat vielen Senioren das Leben gerettet

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