Ärzte Zeitung, 10.10.2008

Pneumokokken-Impfung bei Influenza-Pandemie!

Experten fordern, Pandemiepläne zu erweitern

SILVER SPRING (hub). Die Pneumokokken-Impfung sollte in die Influenza-Pandemiepläne integriert werden. Das schlagen Forscher vor, nachdem sie die Spanische Grippe von 1918 bis 1919 neu beurteilt haben.

Häufigster Erreger von Pneumonien: Streptococcus pneumoniae.

Foto: CDC, Dr. Richard Facklam

Die meisten Todesfälle während der Influenza-Pandemie von 1918 bis 1919 ereigneten sich demnach im Median innerhalb von sieben bis zehn Tagen nach Erkrankungsbeginn. Ein bedeutender Anteil der Kranken starb sogar erst zwei Wochen oder später nach Beginn der ersten Influenza-Symptome.

In den meisten betroffenen Bevölkerungsgruppen starben nur fünf Prozent der Grippetoten innerhalb der ersten drei Tage. In diesem Zeitraum sei aber eine wesentlich Sterberate zu erwarten, wenn es sich bei dem Auslöser der Grippe-Pandemie Anfang des vergangenen Jahrhunderts - dem H1N1-Virus - um ein hypervirulentes Virus gehandelt haben soll (Emerg Inf Dis 14, 2008, 1193).

Die Forscher stellten zudem fest: Die Mortalität während der Pandemie korrelierte stärker mit der Pneumonierate als mit der Zahl klinisch diagnostizierter Grippeerkrankungen. Plausibel für die hohe Zahl der Toten durch die Spanische Grippe halten die Forscher daher folgendes Szenario: Die Infektion mit dem H1N1-Virus und die damit verbundene Grippeerkrankung haben zunächst das Immunsystem der Betroffenen geschwächt. Das habe zu bakteriellen Superinfektionen durch Erreger von Pneumonien geführt, wie etwa Streptococcus pneumoniae.

Gerade die Pneumokokken besiedeln den Nasen-Rachen-Raum von jedem zweiten gesunden Erwachsenen. Eine Influenza-Infektion ermöglicht den Bakterien dann, in die tieferen Atemwege vorzudringen. Lebensbedrohliche Pneumonien können folgen.

In den Pandemieplänen sollten außer der Anwendung pandemischer Impfstoffe und antiviraler Arzneien daher auch die Impfungen gegen bakterielle Erreger wie Pneumokokken berücksichtigt werden, so die Autoren. Eine solche Impfung wird in Deutschland für alle über 60-Jährigen als Standard empfohlen.

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