Ärzte Zeitung online, 12.11.2008

Virologe fordert kostenfreie Grippe-Impfung für alle

JENA (dpa). Für eine kostenfreie Grippe-Impfung aller Altersgruppen hat sich der Virologe Professor Peter Wutzler ausgesprochen. Bislang müssen nur über 60-Jährige sowie Patienten mit chronischen Krankheiten und medizinisches Personal nichts bezahlen.

Eine zusätzliche Impfung von jungen und gesunden Menschen könne die Zahl der Todesfälle und Krankenhausbehandlungen deutlich verringern. "Damit wird die Zirkulation und Übertragung des Virus limitiert", sagte der Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten zur dpa. In Deutschland sterben jährlich im Schnitt etwa 5000 bis 8000 Menschen an Grippe.

Wutzler, der das Institut für Virologie am Universitätsklinikum Jena leitet, verwies auf eine kanadische Studie. In der Provinz Ontario sei seit dem Jahr 2000 die Impfung für alle Einwohner ab dem Alter von sechs Monaten kostenlos. Infolgedessen sei dort die Impfrate auch bei den Jüngeren stark gestiegen und die Zahl der Todesfälle, Arztbesuche und Krankenhauseinweisungen wegen Grippe deutlich zurückgegangen. Davon hätten auch ältere und chronisch kranke Menschen profitiert. Ähnliche Ergebnisse lägen aus Japan vor.

Voraussetzung für die Übernahme der Impfkosten ist eine Impfempfehlung etwa für bestimmte Berufsgruppen oder alte Menschen. Sie könnten nach Ansicht von Wutzler in einem ersten Schritt etwa für 50- bis 60-Jährige oder Kinder ausgedehnt werden. "Kinder nehmen die Viren häufig im Kindergarten oder der Schule auf und produzieren bei einer Ersterkrankung enorme Mengen an Viren", erklärte der Experte. Diese würden dann oftmals auf Eltern, Geschwister und Großeltern übertragen. "Wenn man dieses Kettenglied unterbrechen könnte, dann hätte man schon viel gewonnen."

www.dvv-ev.de

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