Ärzte Zeitung online, 26.04.2009

Tropenarzt: Pandemie eher unwahrscheinlich

ROSTOCK (dpa). Der Rostocker Tropenmediziner Professor Emil Reisinger hält einen gewissen Schutz gegen die in Nordamerika zirkulierenden Schweinegrippeviren durch frühere Impfungen für möglich. Die mutierten Schweinegrippeviren tragen Merkmale von Grippeviren, die auch regelmäßig durch Deutschland ziehen, beide gehören zum Influenza-Subtyp H1N1.

"Solche Viren sind in den vergangenen Jahren auch immer wieder als Impfstamm verwendet worden", sagte der Chef der Abteilung Tropenmedizin an der Universitätsklinik Rostock zur dpa. Auch wenn bei der in Mexiko isolierten Variante des H1N1-Virus neue genetische Veränderungen aufgetreten seien, so könne bei geimpften Personen noch eine gewisse Kreuzimmunität vorhanden sein.

"Eine Pandemie ist daher eher unwahrscheinlich", meint Reisinger. Auszuschließen sei eine globale Ausbreitung allerdings nicht. In Deutschland seien die vorhandenen Pandemiepläne nun von großem Nutzen. Eine schwere Grippewelle berge insbesondere für Menschen, die noch nie geimpft wurden und noch nie mit dem Virus Kontakt hatten, durchaus eine Gefahr. Eine rasche Impfung sei nicht möglich, da der Impfstoff derzeit nicht zur Verfügung stehe. Die Gefahr einer Pandemie wird jedoch nach Worten Reisingers auch durch den nahenden Sommer geschmälert. "Bei hohen Temperaturen wird das Virus durch Tröpfcheninfektion möglicherweise nicht so leicht weitergegeben", erläuterte der Epidemiologe.

Eine H1N1-Variante sei auch 1918 für den Seuchenzug der sogenannten Spanischen Grippe verantwortlich gewesen, sagte Reisinger. Schätzungen zufolge kamen damals mehr als 30 Millionen Menschen ums Leben.

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