Ärzte Zeitung online, 27.04.2009

Zahl der Grippetoten in Mexiko steigt weiter

MEXIKO-STADT/WASHINGTON/GENF/MANAGUA (dpa). Die Zahl der Grippetoten in Mexiko ist auf 103 gestiegen. Dies sagte Gesundheitsminister José Ángel Córdova am Sonntagabend im mexikanischen Fernsehen. Wie viele der Opfer durch den mutierten Schweinevirus H1N1 infiziert waren, sagte Córdova nicht. Bisher war der Virus bei 20 der Todesfälle nachgewiesen worden.

Wartende vor einem Gesundheitszentrum in Mexico City.

Wartende vor einem Gesundheitszentrum in Mexico City.

Foto: dpa / Bildfunk

Der Minister berichtete zudem, dass im ganzen Land 1614 Grippekranke in Hospitälern behandelt werden. Mehr als 60 Prozent der Patienten seien auf dem Weg der Besserung.

Die USA riefen am Sonntag den Gesundheitsnotstand aus. Ähnlich wie etwa bei heranziehenden Hurrikans bedeutet die Notstandserklärung, dass zusätzliche Bundesmittel für Vorsorgemaßnahmen bereitgestellt werden. Im Fall der Schweinegrippe werden damit beispielsweise staatliche Lagerbestände an antiviralen Medikamenten zur möglichen Verteilung vorbereitet, wie Heimatschutzministerin Janet Napolitano auf einer Pressekonferenz des Weißen Hauses erläuterte.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach von einem Gesundheitsnotfall internationalen Ausmaßes. Sie zeigte sich aber auch davon überzeugt, dass die Welt dieses Mal besser auf die drohende Epidemie vorbereitet sei als etwa bei der Vogelgrippe in Asien. In den USA gab es bis zum Sonntag 20 bestätigte Krankheitsfälle, davon acht Schüler eines Privatgymnasiums in New York - keiner der US-Patienten war bis dahin gestorben. In Kanada gab es sechs bestätigte Fälle.

Der Direktor der Gesundheitsbehörde CDC, Richard Besser, sagte am Sonntag bei einer Pressekonferenz, es würden in den USA weitere und dabei auch ernstere Erkrankungen erwartet. Bisher sind alle bestätigten Fälle in den USA glimpflich verlaufen, das heißt, alle Erkrankten sind genesen, während in Mexiko Menschen an der Schweinegrippe starben. "Wir werden ein breiteres Spektrum der Krankheit sehen", sagte Besser. "Die Krankheit wird sich weiter ausbreiten. Wir betrachten dies als einen Marathon."

Zahlreiche Länder vor allem in Lateinamerika trafen Vorbereitungen, um ein Einschleppen des Virus aus Mexiko und den USA zu verhindern. Mexikanische Behörden spürten mögliche Grippekranke in Wohnungen, auf Flughäfen und Bahnhöfen auf. Russland sprach eine Reisewarnung für Mexiko aus.

Präsident Felipe Calderón berichtete am Sonntag vor dem nationalen Gesundheitsrat, von 1386 grippekranken Patienten in Krankenhäusern sei bei 926 Entwarnung gegeben worden. 386 Menschen seien weiter unter Beobachtung in den Hospitälern. Er rief die Bundesstaaten auf, alle Fälle von Grippe zu melden. Speziallabore, die den mutierten Schweinevirus aufspüren können, seien ab Mitte der Woche in Mexiko verfügbar. Bisher müssen die Proben in den USA und Kanada analysiert werden.

In Mexikos Hauptstadt-Region sind seit Freitag alle Schulen geschlossen, Großveranstaltungen sind verboten. Fußballspiele werden ohne Publikum ausgetragen. Und auch die katholische Kirche hat die Pforten ihrer Kirchen für Sonntagsmessen schließen müssen. Die Regelungen gelten zunächst bis zum nächsten Wochenende.

Mittelamerika soll bei Epidemie zusammenstehen

Unterdessen versuchen die Nachbarstaaten Mexikos, ein Übergreifen der Schweinegrippe auf ihre Länder zu verhindern. Nach dem Willen des nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega sollen die Länder Mittelamerikas und die Dominikanische Republik gemeinsam ein Übergreifen der Schweinegrippe aus Mexiko verhindern. Ortega, derzeit Vorsitzender des Systems der mittelamerikanischen Staaten (Sica), berief die Gesundheitsminister der Region und der Dominikanischen Republik zu einer Krisensitzung für diesen Dienstag nach Managua ein. Das teilte Ortegas Frau und Sprecherin Rosario Murillo am Sonntag mit. Bei der Sitzung solle die Lage analysiert und eine gemeinsame Strategie gegen die Bedrohung durch die Seuche entwickelt werden.

Millionen-Notkredit der Weltbank

Die Weltbank gewährt Mexiko einen Notkredit über 25 Millionen Dollar (19 Millionen Euro) für den Kampf gegen die Folgen der Schweinegrippe. Die Mittel sollen für dringend benötigte Ausrüstung und Medikamente verwendet werden, sagte der mexikanische Finanzminister Agustin Carstens am Sonntag am Rande der Frühjahrstagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds Washington. Darüber hinaus sei Mexiko ein weiterer Weltbank-Kredit über 180 Millionen Dollar in Aussicht gestellt worden, um seine Institutionen besser für Ereignisse wie den Ausbruch der Schweinegrippe vorzubereiten.

Lesen Sie dazu auch:
Weltalarm wegen der Schweinegrippe
Tropenarzt: Pandemie eher unwahrscheinlich
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Der Nationale Pandemieplan für Deutschland
Virologe fordert Aktionen gegen Schweinegrippe
Brüssel tauscht Informationen zu Schweinegrippe aus

[27.04.2009, 15:30:26]
Gabriele Wagner 
Es heißt DAS Virus!
Per E-Mail weist uns Tierarzt Dr. Ronald Schaupeter aus Geesthach auf das richtige Geschlecht der Viren hin:


Wenigstens bei der Ärzte Zeitung hätte ich erwartet, dass es dort "das Virus" und nicht "der Virus" heißt.
Mit nachsichtigen Grüßen
Schaupeter

Für diese nette Korrektur dankt - leicht errötet - Ihre Gabriele Wagner zum Beitrag »

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