Ärzte Zeitung online, 01.09.2009

RKI: Jetzt gegen Saison-Grippe impfen lassen

BERLIN (dpa). Senioren, chronisch Kranke und Menschen mit viel Kontakt zu anderen sollten sich jetzt schon gegen die Wintergrippe impfen lassen. Dazu hat das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag in Berlin aufgerufen. "Die Impfstoffe stehen bereit, und es gibt keinen Grund, länger zu warten", sagte RKI-Expertin Silke Buda.

Einer späteren zusätzlichen Impfung gegen die Schweinegrippe stehe dadurch nichts im Wege. Die vergangene Wintergrippewelle war die stärkste seit vier Saisons. Ungewöhnlich war laut RKI vor allem der frühe Start der starken Influenza-Welle bereits im Dezember 2008.

Insgesamt zählte die am RKI angesiedelte Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) während der Grippesaison 2008/09 mehr als 4,2 Millionen zusätzliche Arztbesuche. 1,68 Millionen Menschen zusätzlich mussten sich krankschreiben lassen - und fielen im Schnitt eine Woche lang aus. 18 700 Patienten über das Normalmaß hinaus wurden sogar ins Krankenhaus eingewiesen, das Gros davon war 60 Jahre und älter. "Insgesamt erkranken ältere Menschen zwar seltener, aber die Verläufe sind oft schwerer", erläuterte Brunhilde Schweiger vom Nationalen Referenzentrum für Influenza am RKI.

"Wir müssen damit rechnen, dass im Herbst auch die Fälle der Neuen Grippe wieder zunehmen", sagte RKI-Präsident Professor Jörg Hacker. Nach einem ersten Höhepunkt der sogenannten Schweinegrippe im Juli gebe es derzeit weniger Neuerkrankungen pro Woche - zuletzt waren es deutschlandweit 238. "Nach wie vor ist der größte Teil davon im Zusammenhang mit Reisen zu sehen." Allerdings sei der Anteil der in Deutschland erworbenen Infektionen auf 25 bis 30 Prozent gestiegen. Impfempfehlungen für die Schweinegrippe werden laut Hacker in den nächsten Tagen von der Ständigen Impfkommission veröffentlicht. Die frühzeitige Impfung gegen die saisonale Grippe ist nach Aussagen der Experten auch wichtig, damit sich durch eine mögliche Doppelinfektion mit beiden Viren keine für den Einzelnen und für die Gemeinschaft gefährlichen Mutationen bilden können.

"Es ist wichtig, dass wir die Grippeentwicklung über das gesamte Jahr hinweg beobachten", betonte Hacker. Bis zu diesem Frühjahr sammelte und veröffentlichte die AGI vor allem im Winterhalbjahr Daten zur Grippe. Künftig werden die Beobachtungspraxen in Deutschland ganzjährig ihre Meldungen ans RKI abgeben. "Das ist für eine Pandemie-Planung auch unerlässlich", sagte Buda. Bislang waren an der Arbeit der AGI indirekt auch vier Pharmaunternehmen beteiligt, was mehrfach Kritik hervorgerufen hatte. Künftig ist die Arbeitsgemeinschaft allein am RKI angesiedelt und wird ausschließlich staatlich finanziert.

http://influenza.rki.de

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