Ärzte Zeitung online, 04.11.2009

Immer mehr Grippe-Tote in der Ukraine

KIEW (dpa). In der von einer besonders schweren Grippewelle erfassten Ukraine ist die Zahl der Todesfälle auf mehr als 90 gestiegen. Insgesamt seien fast eine halbe Million Menschen infiziert, 93 seien gestorben, berichtete der ukrainische Fernsehsender Fünfter Kanal am Mittwoch.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnet damit, dass es sich bei den Erkrankungen in der Ukraine vorwiegend um Schweinegrippe handelt. Weil das neuartige H1N1-Virus inzwischen weltweit zum dominanten Influenza-Stamm geworden sei, könne davon ausgegangen werden, dass auch die meisten Grippefälle in der Ukraine davon ausgelöst worden seien, hieß es in einer WHO-Mitteilung. Die genaue Zahl der nachgewiesenen Schweinegrippe-Todesfälle war weiter unklar. Nach WHO-Angaben laufen die meisten Nachweisverfahren noch.

In der Ukraine kam es zuletzt auch durch Machtkämpfe vor der im Januar geplanten Präsidentenwahl zu widersprüchlichen Informationen über das Ausmaß der Schweinegrippe. Während Staatschef Viktor Juschtschenko von einer Schweinegrippe-Epidemie gesprochen hatte, sagte Regierungschefin Julia Timoschenko angesichts der Panik in der Ex-Sowjetrepublik, es handele sich nur um wenige Fälle. Weil die Ukraine kein Geld zur Bekämpfung der Epidemie hat, haben mehrere Länder bereits Hilfe geleistet oder angekündigt.

Der Ausbruch in der Ukraine könne Aufschluss darüber geben, wie sich das pandemische H1N1-Virus in der nördlichen Hemisphäre während der Wintermonate verhalte, teilte die WHO mit. Die Organisation empfahl bei Krankheitssymptomen dringend die Behandlung mit antiviralen Medikamenten. Insgesamt halten sich in dem Land neun WHO-Experten auf, um vor allem die Lage in der schwer getroffenen Westukraine zu analysieren. Wegen der Epidemie sind in der Ukraine zunächst für einen Zeitraum von drei Wochen alle Bildungseinrichtungen und Kindergärten geschlossen sowie Veranstaltungen mit größeren Menschenmengen verboten.

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