Donnerstag, 24. Mai 2012
Ärzte Zeitung, 25.11.2009

Infekt oder Impfung? Was schützt Kinder besser vor Grippe?

Infekt oder Impfung: Was schützt Kinder besser vor Grippe?

Befunde aus Tierexperimenten sprechen für besonders guten Schutz nach durchgemachter Influenza / Ruf nach verbesserten Impfstoffen

NEU-ISENBURG (eis). Ob alle Kinder in Deutschland regelmäßig gegen saisonale Influenza geimpft werden sollen, wird derzeit diskutiert. Niederländische Forscher geben jetzt zu bedenken, dass das Durchmachen einer Influenza möglicherweise langfristig einen besseren Schutz vor schweren Erkrankungen hervorruft als die Impfung.

Infekt oder Impfung? Was schützt Kinder besser vor Grippe?

Foto: Gennadiy Poznyakov ©www.fotolia.de

Bei Mäusen konnten die Forscher zeigen: Tiere, die gegen den saisonalen H3N2-Stamm geimpft waren, überlebten später genauso wenig eine Infektion mit dem aggressiven Vogelgrippevirus H5N1 wie ungeimpfte Tiere. Hatten Tiere aber eine H3N2-Erkrankung überstanden, dann überlebten sie später auch eine H5N1-Infektion (Lancet Infect. Dis. 9, 2009, 784). Erklärt wird dies mit der sogenannten heterosubtypischen Immunität: das Wildvirus führt danach bei Infektion im Vergleich zu den Antigenen aus einem Totimpfstoff eher zu einer zellvermittelten Abwehrreaktion, die gegen ein erweitertes Spektrum von Grippeviren schützt.

Möglicherweise würden gesunde Kinder daher auch jetzt stärker von einer Schweinegrippe-Erkrankung als von der Impfung profitieren, so die Meinung der Forscher. Sie regen zudem an, verbesserte Grippe-Impfstoffe zu entwickeln, die eine zellvermittelte Immunität hervorrufen.

In einem Kommentar (Lancet Infect Dis 9, 2009, 720) wird allerdings angeführt, dass sich Laborergebnisse mit Mäusen nicht unbedingt auf Menschen übertragen lassen. Anders als die Tiere hätten Menschen - ob geimpft oder nicht - bei Grippewellen Kontakt mit den aktuell zirkulierenden Viren und könnten dabei eine heterosubtypische Immunität aufbauen. Auch wird argumentiert, dass bei der H1N1-Pandemie 1918 die Sterberate junger Erwachsener stark erhöht war. Dies spreche nicht für eine heterosubtypische Immunität durch vorangegangene saisonale Influenza-Erkrankungen. Man sollte daher Kinder jetzt keiner schweren, möglicherweise tödlichen aber einfach zu verhindernden Krankheit aussetzen, nur weil dadurch nach theoretischen Überlegungen in der Zukunft der Influenzaschutz besser sein könnte, heißt es im Kommentar.

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