Ärzte Zeitung online, 06.09.2010

Virologe befürchtet geringe Resonanz auf Grippe-Impfung

JENA (dpa). Nachdem das Schreckensszenario der Schweinegrippe vor einem Jahr ausgeblieben ist, droht nach Expertenmeinung nun eine Impfmüdigkeit. "Viele Menschen könnten den Rückschluss ziehen: Von der Influenza ist keine Gefahr zu erwarten", sagte der Virologe Professor Peter Wutzler aus Jena. "Davor kann ich nur warnen." 

In diesem Monat beginnt die Impfung gegen Influenza. Die Grippeschutzimpfung ist bis etwa Februar in den meisten Arztpraxen und den Gesundheitsämtern möglich. Erstmals wird sie in diesem Jahr auch Schwangeren empfohlen. Es habe sich gezeigt, dass sie bei einer normalen Grippeerkrankung eine deutlich höhere Komplikationsrate haben, sagte Wutzler. Mit der Impfung der Mutter sei das Baby nach der Geburt ebenfalls vor Grippe geschützt, da die Antikörper an den Fötus weitergegeben werden.

Wer aus den Erfahrungen der vergangenen Saison den Schluss ziehe, die Grippe sei ungefährlich, verlasse sich auf eine trügerische Sicherheit, betonte Wutzler, Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten. Es dürfe nicht vergessen werden, dass jedes Jahr weltweit tausende Menschen an den Folgen der Influenza sterben. Laut Wutzler starben in Deutschland in der vergangenen Saison etwa 256 Menschen an Grippe.

Der aktuelle Impfstoff enthält drei Virusstämme und schützt auch vor dem weiter aktiven Schweinegrippe-Virus. Daher ist eine extra Impfung wie vor einem Jahr nicht nötig. Optimal für die Impfung sei die Zeit von September bis November, da die ersten Grippefälle meist im Dezember auftreten. Es dauere 10 bis 14 Tage, bis das Immunsystem einen wirksamen Grippeschutz aufbaue.

"Die Älteren sollten besser erst gegen Ende Oktober geimpft werden, weil bei Ihnen der Influenza-Schutz oft nur bis zu fünf Monate anhält. Wenn wir sie schon im September impfen, kommen sie nicht über die gesamte Grippesaison", erklärte Wutzler.

Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten

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