Ärzte Zeitung online, 09.02.2011

Grippeimpfung: Schutzwirkung gegen Herzprobleme erneut bestätigt

Die Grippeimpfung schützt nicht nur vor Grippe: Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom senkt eine solche Impfung anscheinend auch das Risiko für ein weiteres kardiovaskuläres Ereignis.

Grippeimpfung: Schutzwirkung gegen Herzprobleme erneut bestätigt

Grippe-Imfpstoff: Schützt auch gegen kardiovaskuläre Ereignisse, wie Forscher aus Thailand bestätigen.

© dpa

CHIANG MAI (ob). Die präventive Wirkung der Grippeimpfung auf kardiovaskuläre Ereignisse ist jetzt in einer prospektiven randomisierten Studie thailändischer Mediziner erneut bestätigt worden (Eur Heart J 2011, online).

Die Gruppe um Dr. Arintaya Phrommintikul aus Chiang Mai hat für diese Studie 439 KHK-Patienten ausgewählt, die innerhalb der vorangegangenen acht Wochen wegen akutem Koronarsyndrom in einer Klinik behandelt worden waren.

Davon sind 221 Patienten der Gruppe mit Grippeimpfung und 218 der Kontrollgruppe ohne entsprechende Impfung zugeteilt worden. Alle Studienteilnehmer erhielten die übliche medikamentöse Standardtherapie.

Von den Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) waren zudem 75 Prozent und von den Patienten mit Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt (NSTEMI) rund ein Drittel einer Revaskularisation unterzogen worden.

Zwölf Monaten lang wurden die in beiden Gruppen aufgetretenen schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignisse (Tod, erneute Klinikeinweisung wegen akutem Koronarsyndrom, Herzinsuffizienz oder Schlaganfall) erfasst und deren Inzidenz am Ende verglichen.

Die Bilanz nach einem Jahr: In der Gruppe der gegen Grippe geimpften Patienten war die Rate aller kardiovaskulären Ereignisse signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (9,5 versus 19,3 Prozent).

Entscheiden dafür war der bei den Klinikeinweisungen wegen akutem Koronarsyndrom zu beobachtende signifikante Unterschied: Während in der Vakzine-Gruppe 10 Patienten (4,5 Prozent) wegen eines erneuten Myokardinfarkts oder instabiler Angina pectoris hospitalisiert werden mussten, waren es in der Kontrollgruppe 23 Patienten (10,6 Prozent).

Die Unterschiede bei den Klinikeinweisungen wegen Herzinssuffizienz (1,8 versus 4,6 Prozent) und bei der Mortalität (2,7 versus 3,7 Prozent) waren jeweils nicht signifikant.

Bisher lagen zwei prospektive Studien zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen durch Grippeimpfung vor. Für die 2002 veröffentlichte FLUVACS-Studie wurden 200 Patienten mit akutem Myokardinfarkt sowie 101 Patienten mit stabiler KHK ausgewählt.

Aus Basis einer medikamentösen und interventionellen Standardbehandlung erhielten 151 Patienten eine Grippeimpfung, 150 bliegen ungeimpft.

Nach zwölf Monaten war die Rate kardiovaskulärer Todesfälle in der Gruppe der Geimpften signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (6 versus 17 Prozent).

Vom präventiven Effekt der Grippeimpfung profitierten primär Patienten mit Myokardinfarkt und Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko.

Auch die Rate für den sekundären Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt und Rehospitalisation) war in der geimpften Gruppe signifikant niedriger (22 versus 37 Prozent).

In der 2008 veröffentlichten FLUCAD-Studie sind 658 Patienten mit dokumentierter KHK einer Gruppe mit und einer Gruppe ohne Influenzaimpfung zugeteilt worden.

Nach zehn Monaten war in dieser Studie keine signifikante Reduktion der kardiovaskulären Sterberate (primärer Endpunkt) festzustellen. Dagegen ergab eine auf ischämische Koronarereignisse fokussierte Analyse eine signifikante Reduktion durch die Impfung (6 versus 10 Prozent).

Die Fallzahlen in beiden Studien waren allerdings relativ klein, Eine systematische Studienübersicht der Cochrane-Gruppe kam zu dem Schluss, dass die Daten dieser beiden randomisierten Studien trotz des dokumentierten präventiven Effekts auf kardiovaskuläre Ereignisse und kombinierter Endpunkte noch nicht ausreichen, um die Effektivität einer Impfung zum Schutz von kardiovaskulären Ereignissen zuverlässig beurteilen zu können.

Die aktuell publizierte Studie schafft nun eine etwas bessere Datenbasis. Ihre Ergebnisse lassen das Pendel noch stärker in Richtung eines wirklichen kardiovaskulären Nutzens der Grippeimpfung ausschlagen.

Im Übrigen war die Grippeschutzimpfung auch in epidemiologischen Beobachtungsstudien mit einem reduzierten Risiko für Myokardinfarkte, Schlaganfälle sowie für kardio- oder zerebrovaskulär bedingte Todesfälle assoziiert.

Ungeachtet der noch optimierbaren Datenlage empfehlen die Leitlinien kardiologischer Fachgesellschaften wie der American Heart Association (AHA) schon seit längerem die Grippeimpfung als Bestandteil der Sekundärprävention bei Koronarpatienten neben der medikamentösen Therapie.

Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeimpfung für alle Menschen über 60 Jahren sowie altersunabhängig für alle Patienten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung durch eine Grunderkrankung zu dieser Risikogruppe zählen insbesondere Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder Diabetes mellitus.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »