Ärzte Zeitung, 11.12.2011

Schweinegrippe: Komplize von Pneumokokken

Dass Grippe-Erkrankungen ein Einfallstor für Bakterien sind, ist bekannt. Jetzt haben Forscher gezeigt, dass vor allem das Schweinegrippe-Virus H1N1 besonders gut den Weg für gefährliche Bakterien bahnt. Betroffen sind vor allem Kleinkinder.

Schweinegrippe-Virus bahnt Bakterien den Weg ins Blut

Influenza-Virus: Ein Wegbereiter für bakterielle Infektionen.

© Sebastian Schreiter / Springer

HOLON (rb). Infektionen mit Influenzaviren haben häufig bakterielle Superinfektionen zur Folge. Besonders gefährlich ist offenbar das pandemische Influenzavirus A/H1N1.

Wie israelische Forscher belegen, ist die Inzidenz invasiver Infektionen mit Staph. aureus, Streptococcus pyogenes und S. pneumoniae (Pneumokokken) während der Influenza-Pandemie gestiegen (CID 2011; 53: 1199).

Die Forscher vom Wolfson Medical Center haben in acht Kliniken -auf die etwa ein Drittel aller stationären Aufnahmen in Israel entfallen -Bakteriämien analysiert. Daten aus der Zeit der Pandemie wurden dabei mit Daten von Grippewellen zwischen 2006 und 2009 verglichen.

Die meisten H1N1-Infektionen gab es während der Pandemie bei Kindern unter fünf Jahren. Gleichzeitig war in dieser Gruppe die Inzidenz von Pneumokokken-Bakteriämie im Vergleich zu den Vorjahren 15-fach erhöht, von S.-pyogenes-Bakteriämie neunfach und für Staph.-aureus-Bakteriämie sechsfach.

Maßnahmen gegen Pandemien anpassen

Kinder und junge Erwachsene waren besonders stark von der Pandemie betroffen: Etwa 50 Prozent der israelischen Kinder hatten serologische Zeichen einer H1N1-Infektion im Vergleich zu 23 Prozent der Erwachsenen und zehn Prozent der über 65-Jährigen.

Die Inzidenzen für Bakteriämien mit Staph. aureus und S. pyogenes waren während der H1N1-Pandemie in allen Altersgruppen erhöht (1,5-fach und 3-fach).

Sekundär-Infektionen gelten als Hauptursache Influenza-assoziierter Komplikationen. Die Daten aus Israel sind ein Hinweis darauf, dass verschiedene Stämme von Influenzaviren in unterschiedlichem Ausmaß Folgeinfektionen induzieren.

Nach Ansicht der Forscher sollten daher "präventive Maßnahmen gegen invasive Infektionen ein Teil der Vorbereitungen auf eine Influenzapandemie sein."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Höchste Zeit für den Grippeschutz

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