Ärzte Zeitung, 29.09.2014

Grippe

Weniger Tote in Heimen mit gut geimpften Pflegern

Heimpatienten profitieren davon, wenn ihre Pflegekräfte gegen Grippe geimpft sind. Die Maßnahme verringert das Sterberisiko und auch die Rate an Atemwegsinfektionen, zeigt eine US-Metaanalyse.

Von Wolfgang Geissel

Weniger Tote in Heimen mit gut geimpften Pflegern

Die Grippe-Impfung von Pflegepersonal in Heimen erhöht die Patientensicherheit.

© Gina Sanders / fotolia.com

ATLANTA. Die jährliche Influenza-Impfung von Ärzten, MFA und Pflegern vor der Grippesaison wird in Deutschland und mehr als 40 weiteren Ländern empfohlen. Bisher gibt es für dieses Vorgehen jedoch nur wenig Studienbelege.

US-Forscher um Dr. Faruqh Ahmed von den Centers for Disease Control (CDC) in Atlanta haben jetzt acht qualitativ ausreichende Untersuchungen zum Thema daraufhin analysiert, was die Impfung medizinischen Personals in Pflegeheimen (und einer Klinik) für die Patientensicherheit bringt (Clin Infect Dis 2014; 58: 50).

Insgesamt ergab sich in Heimen mit gut geimpftem Personal im Vergleich zu Heimen mit schlecht geimpftem Personal bei den Patienten eine im Mittel 22-prozentige Reduktion der Sterberate während der Grippesaison und eine 42-prozentige Abnahme der sogenannten Grippe-ähnlichen Erkrankungen.

Ein Zusammenhang zwischen Impfungen von Personal und dem Auftreten laborbestätigter Influenza-Erkrankungen ließ sich allerdings insgesamt nicht belegen.

Der Parameter war in den Studien selten erhoben worden. Allerdings ergab hier die Analyse der vier Beobachtungsstudien (Kohorten- und Fallkontrollstudien) Hinweise auf Schutz vor bestätigten Influenza-Erkrankungen.

Hohe Impfraten schützen auch Ungeimpfte

Fazit der Forscher: Die Grippe-Impfung von Pflegepersonal in Heimen erhöht die Patientensicherheit. Allerdings haben große Unterschiede bei den analysierten Studien die Auswertung erschwert. So wurden in einigen Analysen Jahre mit geringer Grippe-Aktivität untersucht.

Ebenso gab es zum Teil nur geringe Unterschiede bei den Impfraten der verglichenen Teams (etwa der Vergleich: Heime mit weniger als zehn geimpften vs. Heime mit mehr als zehn geimpften Pflegekräften). Insgesamt gebe es daher nur einen moderaten Evidenzgrad für Patientenschutz in Pflegeheimen durch Impfung des Personals.

Dass hohe Grippe-Impfraten in der Bevölkerung auch Ungeimpfte schützen, ist allerdings gut belegt, betont Dr. Marie R. Griffin vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville in einem Kommentar zu der Studie (Clin Infect Dis 2014; 58: 58).

So hat zum Beispiel die Impfung von 3- bis 15-jährigen Kindern in Dorfgemeinschaften der religiösen Gruppe der Hutterer in Kanada die Zahl der Influenza-Erkrankungen bei den Ungeimpften um 61 Prozent reduziert (JAMA 2010; 303: 943).

Weitere Argumente für den Grippeschutz bei Pflegekräften sind die schlimmen Auswirkungen von Influenza-Ausbrüchen in Heimen und Kliniken sowie das gute Sicherheitsprofil der Impfstoffe, betont Griffin.

Die Impfung von Pflegepersonal zum Schutz der Patienten sollte daher als Evidenz-basierte Empfehlung betrachtet werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Impfung mit Imageproblem

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