Ärzte Zeitung App, 02.10.2014

Impfschutz

Alle Register gegen Grippe ziehen!

Der nächste Grippewinter könnte deutlich stärker ausfallen als der vergangene, warnen Experten. Sie rufen jetzt zur Impfung gegen Influenza auf - und appellieren an die Ärzte, verstärkt auch Schwangere anzusprechen.

Von Wolfgang Geissel

Alle Register gegen Grippe ziehen!

Kleiner Pieks: Bis zu zwei Drittel der geimpften alten Menschen entwickeln einen Grippeschutz.

© JPC-PROd / fotolia.com

BERLIN. Risikogruppen sollten jetzt gegen Grippe geimpft werden, betonen Robert Koch-Institut (RKI), Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in einer gemeinsamen Mitteilung.

Zu den Gruppen gehören: medizinisches Personal, Menschen in Berufen mit hohem Publikumsverkehr, alle über 60-Jährigen, Schwangere sowie chronisch Kranke, etwa mit Herzkrankheiten, Diabetes oder Asthma.

Die letzte Grippesaison war zwar ungewöhnlich schwach, doch die Nächste könnte wieder stärker ausfallen, warnen die Institute.

Die Influenza-Impfquoten sind dabei in allen Gruppen zu niedrig, wird betont. So zeige eine vom Gesundheitsministerium finanzierte Befragung, dass in der Saison 2012/2013 nur 23 Prozent der Schwangeren geimpft waren.

Ein Grund dafür: 30 Prozent der Schwangeren wussten gar nicht, dass sie sich gegen Influenza impfen lassen sollten.

Als häufigste Argumente gegen den Schutz nannten die Frauen fehlendes Vertrauen in die Impfung. Auch wurde eine Influenza nicht als großes gesundheitliches Risiko wahrgenommen.

Impfexperten plädieren daher an Ärzte, verstärkt über Influenza und die Schutzmöglichkeiten aufzuklären. "Während der Schwangerschaft ist die Immunabwehr weniger aktiv, sodass schwangere Frauen anfälliger für Infektionen sind und das Risiko für schwere Verläufe der Grippe steigt. Die Grippeimpfung der werdenden Mutter schützt auch das Kind nach der Geburt", betont Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in der Mitteilung.

Ärzte können kostenlose Info-Materialien abrufen

Die BZgA stellt Ärzten, Krankenhäusern, Apotheken sowie Alten- und Pflegeheimen Informationen für die Aufklärung von Risikogruppen zur Verfügung. Die kostenlosen Materialien lassen sich im Internet abrufen.

Der beste Zeitraum für die Grippeimpfung ist Oktober und November. Der aktuelle Impfstoff für die Saison 2014/2015 ist in seiner Zusammensetzung im Vergleich zur Vorsaison unverändert geblieben. Die Impfexperten empfehlen aber trotzdem eine erneute Impfung, da die Wirkung vermutlich nur eine Saison anhält.

Nach der Impfung baut sich der Schutz in 10 bis 14 Tagen auf. Anders als in den Vorjahren gibt es jetzt Anfang Oktober bereits genügend Impfstoff. Das PEI habe bislang gut 15 Millionen Impfstoffdosen freigeben.

Außer den konventionellen trivalenten inaktivierten Impfstoffen und dem adjuvantierten Impfstoff für Personen über 65 Jahre gibt es in dieser Saison auch zwei tetravalente Impfstoffe: ein inaktivierter Totimpfstoff und ein Lebendimpfstoff, der als Nasenspray angewendet wird.

Die nasale Vakzine ist für Kinder und Jugendliche von drei bis 17 Jahren zugelassen. Auch gibt es einen Zellkultur-Impfstoff (bei Hühnereiweißallergie) und zwei intradermale Impfstoffe. (Übersicht der verfügbaren Impfstoffe).

Mit dem Alter verringert sich Wirksamkeit der Impfung

Die Wirksamkeit der Grippeimpfung hängt von vielen Faktoren ab und unterscheidet sich von Jahr zu Jahr. Bei dem langen Vorlauf der Impfstoffproduktion lässt sich zum Beispiel nicht genau abschätzen, ob die im Impfstoff enthaltenen Virusvarianten tatsächlich die im Winter zirkulierenden Grippeviren abdecken. Mit dem Alter verringert sich auch Wirksamkeit der Impfung.

Bei älteren Erwachsenen sind bis zu zwei Drittel der Geimpften geschützt, so die Institutionen: Das heißt, Grippeerkrankungen verlaufen weniger schwer und das Risiko für Folgeerkrankungen wie Pneumonien wird reduziert.

Alle über 60-Jährigen sowie Menschen mit Grunderkrankungen sollten bei der Grippeimpfung auch den Pneumokokken-Impfschutz überprüfen lassen. Besonders in Alten- und Pflegeheimen sollten Personal und Bewohner geimpft werden, betonen die Institutionen.

US-Forscher hatten herausgefunden, dass Heimpatienten davon profitieren, wenn ihre Pflegekräfte gegen Grippe geimpft werden. Die Maßnahme verringert das Sterberisiko und auch die Rate an Atemwegsinfektionen.

[10.10.2014, 13:20:29]
Dr. Ursula Kramer 
Alle Register für Impfaufklärung ziehen
warum nicht auch über die Hosentaschen der Patienten? 40 Millionen nutzen in Deutschland bereits ein Smartphone. Eine App, die informiert und beim Verwalten der Impfungen hilft, kann die ärztliche Präventionsarbeit sinnvoll unterstützen, vorausgesetzt sie berücksichtigt die STIKO-Empfehlungen, informiert unabhängig und verständlich und schützt die Impfdaten sicher vor unberechtigtem Zugriff, wie z. B. die myImpf-Uhr App, die auf allen Smartphones funktioniert. Ein hilfreicher Tipp für Impfpraxen, nicht nur in der Grippezeit.
Initiative Prävnetionspartner zum Beitrag »
[03.10.2014, 18:20:46]
Dr. Bernhard reiß 
Mehr impfen und dann...
...einen Regress wegen überzogenem Sprechstundenbedarf kassieren. Nene, nicht mehr mit uns! zum Beitrag »
[02.10.2014, 14:44:17]
Rudolf Hege 
Verwunderlich...
Es ist ein wenig verwunderlich, dass so stark für die Grippe-Impfung geworben wird, bei der schlechten Evidenzlage. Laut Cochrane zeigen die "guten Studien" nur einen sehr geringen Nutzen der Impfung insgesamt und für die Risikogruppen (alte Menschen) gar keinen belastbaren Nachweis.

Ein Überblick: http://www.swr.de/odysso/grippeschutzimpfung-teurer-schmu/-/id=1046894/nid=1046894/did=8613598/124wxf8/index.html


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