Ärzte Zeitung online, 02.01.2017

Auszeichnung

Influenza-Forscherin erhält Reutner-Preis

Mit neuster Mikroskopietechnik ist die Virologin Dr. Susann Kummer den Tricks des Influenza A-Virus auf der Spur.

HEIDELBERG. Was spielt sich bei einer Infektion mit dem Influenza A-Virus in den befallenen Lungenzellen auf molekularer Ebene ab? Diese Fragestellung erforscht die Virologin Dr. Susann Kummer, Zentrum für Infektiologie am Uniklinikum Heidelberg, mit moderner, hochauflösender Mikroskopietechnik. Für ihre wissenschaftliche Arbeit ist sie mit dem Anita- und Friedrich-Reutner-Preis für Medizinische Forschung der Medizinischen Fakultät Heidelberg ausgezeichnet worden.

Bei Influenza-Viren verändern sich ja besonders die Oberflächenproteine der Virushülle stetig. Deshalb muss auch der Impfstoff jedes Jahr neu angepasst werden. Außerdem verlieren antivirale Medikamente ihre Wirksamkeit. So weisen viele Influenzaviren gegen Amantadin, ein früher häufig verwendetes Medikament, Resistenzen auf.

Forschung mit STED Nanoskopie

"Die Suche nach spezifischen Angriffspunkten für neuartige antivirale Strategien ist für eine effektive Behandlung notwendig", wird Dr. Susann Kummer in einer Mitteilung des Uniklinikums Heidelberg zur Preisverleihung zitiert. "Insbesondere für die Entwicklung von längerfristig wirksamen Medikamenten benötigen wir dringend detailliertes Wissen über den gesamten Ablauf der Virusvermehrung in unseren Zellen."

Dr. Susann Kummer beobachtet das "Verhalten" der Virusproteine direkt in humanen Lungenzellen mit der hochauflösenden Mikroskopie im Nanometerbereich. Die von ihr verwendete Technik wird als STED Nanoskopie (engl. stimulated emission depletion) bezeichnet: Dazu werden analog zur konventionellen Fluoreszenzmikroskopie die beiden potenziellen Interaktionspartner – also das das zu untersuchende Virus-Protein und das Zellprotein – mit Fluoreszenzfarbstoffen markiert. Mit der hochauflösenden STED-Mikroskopie können nun beide Faktoren und ihre Interaktion im Verlauf der Virusvermehrung auf molekularer Ebene untersucht werden.

"Neuland" in Bereich der Influenza-Forschung

Mit älteren Methoden der Fluoreszenz-Mikroskopie lassen sich aufgrund der geringeren Auflösung diese winzigen Strukturen nicht darstellen. "Was sich in der lebenden Zelle nach der Infektion abspielt, lässt sich nun dank der hochauflösenden Mikroskopie detailliert untersuchen. Im Bereich der Influenza-Forschung betreten wir damit Neuland", so die Preisträgerin.

Mit dem jährlich vergebenen und mit 7000 Euro dotierten Preis unterstützt Stifter Professor Friedrich Reutner, Ehrensenator der Universität Heidelberg, Nachwuchswissenschaftlerinnen der Medizinischen Fakultät in ihren Forschungsvorhaben. Insbesondere werden solche Leistungen ausgezeichnet, die klinisch relevante Forschungsfragen aufgreifen, teilt das Uniklinikum Heidelberg mit. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »