Ärzte Zeitung, 20.07.2007

Sommerakademie 2007

Frühe Therapie rettet bei Patienten mit Apoplexie Gewebe

Vorteile bei früher Blutdrucksenkung / Antibiotika-Prophylaxe reduziert Infekte

Apoplexie - ein Notfall, bei dem schnelles Handeln gefragt ist. Denn nur so kann die Prognose der Patienten verbessert werden. Und: Galt Blutdrucksenkung als Akutmaßnahme bisher als riskant, haben Studien nun einen ausgeprägten Nutzen für die Patienten belegt. Zudem könnte künftig eine Antibiose zu den Erstmaßnahmen gehören.

Ein Infarktareal im MRT und der 3-D-Rekonstruktion des Gehirns. Eine rasche Lyse hätte eventuell Gewebe retten und Folgen minimieren können. Foto: dpa

80 Prozent der Insulte sind ischämisch. Die Ausprägung der Hirnschäden hängt dabei von der Dauer der Minderperfusion und der Stärke der Durchblutung ab. Eine rasche Lyse kann bekanntlich Gewebe retten und Folgen minimieren. Denn nach der kritischen Zeit von drei Stunden ist Hirngewebe irreversibel geschädigt. Lysiert wird etwa mit dem Plasminogen-Aktivator rt-PA (Actilyse®). Lyse-Voraussetzungen sind: Der Patient muss jünger als 80 Jahre sein, der Beginn der Symptome darf maximal drei Stunden zurückliegen und eine Blutung muss ausgeschlossen sein.

Bisher galt es immer als riskant, erhöhten Blutdruck in den ersten Tagen nach zerebraler Ischämie zu senken. Jedoch zeigten etwa Ergebnisse der nach einem Jahr vorzeitig abgebrochenen Studie ACCESS (Acute Candesartan Cilexetil Evaluation in Stroke Survivor) einen ausgeprägten Nutzen von Candesartan in der Akutintervention nach Apoplexie.

342 Schlaganfall-Patienten mit deutlich erhöhtem Blutdruck erhielten etwa 30 Stunden nach Eintritt der Ischämie sieben Tage lang zur moderaten Drucksenkung Candesartan (als Atacand® und Blopress® erhältlich) oder Placebo. Der kombinierte sekundäre Endpunkt bestand aus Gesamtsterberate und kardio- und zerebrovaskulären Ereignissen. Die Rate dafür lag in der Verum-Gruppe bei 9,8, in der Placebo-Gruppe bei 18,7 Prozent - ein signifikanter Unterschied.

Weiterhin könnte zu den Akutmaßnahmen bei Apoplexie künftig eine Antibiotika-Prophylaxe gehören. Die Studie PANTHERIS (Preventive ANtiinfective THERapie In Stroke) hat ergeben, dass eine Antibiose die Häufigkeit von Schlaganfall-assoziierten Infektionen verringert. 80 Patienten erhielten Moxifloxacin oder Placebo. Sieben Prozent der Patienten mit Antibiose bekamen bis zum elften Tag nach Apoplexie eine Pneumonie, mit Placebo fast dreimal so viele. 55 Prozent der Patienten mit früher Pneumonie starben in den ersten sechs Monaten. Ohne Infektion starben 20 Prozent - signifikant weniger. In einer Folge-Studie wird geprüft, ob Antibiotika die Sterberate nach Apoplexie reduzieren können.

Als weitere Maßnahme bei Apoplexie sollte der Blutzucker unter 180 mg/dl gesenkt und eine Hypoglykämie durch 10- bis 20-prozentige Glukoselösung korrigiert werden. Die Körpertemperatur sollte auf etwa 37,5 Grad Celsius gesenkt werden. Hinzu kommen optimale Sauerstoffversorgung, Thrombose- und Aspirations-Prophylaxe. (cin)

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