Ärzte Zeitung online, 11.08.2010

Kampf gegen Lungenentzündungen wird verstärkt

Pneumonien sind bei Kindern in Entwicklungsländern Todesursache Nummer eins

JOHANNESBURG (hub). Was ist in Entwicklungsländern die Haupttodesursache bei Kindern unter fünf Jahren? HIV/Aids, Malaria, Tuberkulose wird dann meist geantwortet. Doch es sind Lungenentzündungen, denen jeden Tag 4000 Kinder zum Opfer fallen.

Kampf gegen Lungenentzündungen wird verstärkt

Lungenentzündungen, ausgelöst etwa von Streptococcus pneumoniae (hier im Bild), sind offenbar die häufigste Todesursache bei Kindern in Entwicklungsländern.

© Roger Harris / Science Photo Library / Agentur Focus

Weltweit sind im Jahr 2008 fast 1,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren an einer Pneumonie gestorben. Malaria forderte 730 000 Opfer, HIV/Aids 200 000. "Lungenentzündungen sind die Haupttodesursache in Entwicklungsländern", sagte Professor Mathuram Santosham beim 26. Internationalen Pädiatriekongress in Johannesburg. Doch im Bewusstsein seien Lungenentzündungen nachrangig, sagte der Infektionsexperte von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health. So antwortete auf die Frage nach der Haupttodesursache bei Kindern unter fünf Jahren von 29 Geldgebern keiner spontan mit "Lungenentzündung". Die meisten nannten HIV/Aids, Malaria oder Tuberkulose.

Noch ein weiter Weg bis zu den Millenniumszielen

Das spiegele sich auch in der Verteilung von Forschungsgeldern wider, sagte Santosham bei der von GSK unterstützen Veranstaltung. Von 2,5 Milliarden US-Dollar würden 80 Prozent für Aids und Malaria ausgegeben. Der Pädiater will jedoch keine Gelder umlenken. "Wir brauchen insgesamt mehr finanzielle Mittel", forderte er. Sonst sei das Millenniumsziel, bis 2015 die Sterberate bei Kindern unter fünf Jahren im Vergleich zu 1990 um zwei Drittel zu senken, nicht zu erreichen.

Vor allem in zwei Regionen sehe es sehr schlecht aus, mahnte Santosham. So starben in Südasien im Jahr 1990 pro 1000 Lebendgeburten noch 122 Kinder unter fünf Jahren, 2007 waren es 77. Das Ziel für 2015 aber liegt bei nur 44. Noch schlechter sei die Situation in der Subsahara-Region Afrikas. Die Todesrate im Jahr 1990 lag hier bei 183 pro 1000 Lebendgeburten, 2007 bei 145. Das Millenniumsziel nennt für das 2015 aber eine Rate von nur 61.

Ohne Impfungen sind die Ziele nicht zu erreichen

Mit einer frühen Diagnose und Therapie ließe sich die Pneumonie-Sterberate zum Teil senken. Würden Neugeborene in ihren ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich gestillt, könnte das die Pneumonie-Inzidenz um 15 bis 23 Prozent senken. "Ohne Impfungen haben wir aber keine Chance, die Millenniumsziele zu erreichen", sagte Santosham.

Einige Fortschritte gegen Lungenentzündungen habe es bereits gegeben, vor allem durch Impfungen gegen Masern, Keuchhusten und Haemophilus influenzae Typ b (Hib). Alle drei Erreger betreffen schließlich auch die Lunge. Doch in vielen Ländern würden Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoffe nicht routinemäßig genutzt. Das soll mithilfe der Initiativen "Save the Children" und dem WHO Global Action Plan for the Prevention and Control of Pneumonia (GAPP) jedoch anders werden.

Unterstützt werden beide Initiativen von einer Reihe von Stiftungen, etwa der Bill-Gates-Stiftung, sagte Olankunle Oladehin von GSK. Auch sein Unternehmen engagiere sich und ermögliche einen schnellen Marktzugang für seine Impfstoffe auch für Entwicklungsländer. So seien 2009 von 1,4 Milliarden Impfdosen des Unternehmens 80 Prozent in Entwicklungsländern verimpft worden. In Deutschland bietet GSK seinen 10-valenten Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff Synflorix® an.

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