Donnerstag, 18. Dezember 2014
Ärzte Zeitung online, 29.01.2013

Akuter Husten

Warum Hausärzte Pneumonien übersehen

Nicht jeder hustende Hausarztpatient kann und muss zum Röntgen. Umso mehr muss eine Pneumonie auch anhand der Symptome erkannt werden können. Doch gerade damit tun sich Hausärzte offenbar schwer.

Warum Hausärzte Pneumonien übersehen

Horchen, was die Lunge zu sagen hat.

© AOK-Mediendienst

UTRECHT. Nur eine akute Bronchitis oder doch eine Pneumonie? Diese Frage, von der die Notwendigkeit einer Antibiotikatherapie abhängt, wird in der Hausarztpraxis normalerweise anhand von Anamnese und körperlicher Untersuchung beantwortet.

Ärzte um Dr. Saskia van Vugt von der Universität Utrecht haben deswegen geprüft, wie treffsicher die klinische Diagnostik einer Lungenentzündung ist (ERJ 2013; onlin 24. Januar).

An ihrer Studie beteiligten sich 294 Hausärzte aus zwölf europäischen Ländern, die insgesamt 2810 aufeinanderfolgende erwachsene Hustenpatienten klinisch untersucht hatten. Unabhängig von der Hausarztdiagnose wurde bei allen Patienten eine Röntgen-Thorax-Aufnahme angefertigt.

Zwar kamen Hausärzte und Radiologen in 95 Prozent der Fälle zum selben Ergebnis, die Mehrzahl der Pneumonien wurde ohne Bildgebung jedoch übersehen. 140 Patienten (5 Prozent) hatten aufgrund des Röntgenbildes die Diagnose Lungenentzündung erhalten, 41 (29 Prozent) hatte der Hausarzt korrekt erkannt.

Wiedervorstellung der Patienten

Mit nur 29 Prozent hatte die rein klinische Diagnose also eine extrem geringe Sensitivität. Bei den 99 Patienten, deren Pneumonie nicht entdeckt worden war, waren Beschwerden und Symptome wie Fieber und Raschelgeräusche bei der Auskultation weniger ausgeprägt als bei den hausärztlich diagnostizierten.

Die allermeisten Patienten mit unauffälligem Röntgenthorax hatte auch der Hausarzt als pneumoniefrei erkannt; bei 31 (ein Prozent) hatte er zu Unrecht eine Lungenentzündung diagnostiziert.

Viele Ärzte rechtfertigen laut van Vugt und Kollegen den Einsatz von Breitspektrum-Antibiotika bei akutem Husten mit der Sorge, dass ihnen eine Pneumonie entgehen könnte.

Im Hinblick auf unnötige Antibiotikaverordnungen sei es daher beruhigend zu sehen, dass Hausärzte bei 99 Prozent der radiologisch unauffälligen Patienten auch keine Pneumonie vermuten.

Als "besorgniserregend" bezeichnen die niederländischen Ärzte dagegen die niedrige Trefferquote der klinischen Diagnose bei radiologisch nachweisbarer Pneumonie. "Wir brauchen dringend Tests, mit denen die diagnostische Treffsicherheit in der Praxis verbessert werden kann."

Um die Folgen einer initial übersehenen Pneumonie zu begrenzen, empfehlen van Vugt und Kollegen, die Patienten zur Wiedervorstellung aufzufordern, falls die Symptome nicht abklingen oder schlimmer werden. (BS)

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[29.01.2013, 19:53:02]
Dr. Andreas Petri 
Interessanter Artikel aber mangelnde Expertise
Das Thema Bronchitis versus Pneumonie oder viral versus bakteriell ist hochinteressant. Von den Autoren wird aber vergessen, dass das Primat die Klinik und nicht das Röntgen oder Labor ist, wie Kollege Micka schon kommentiert.
Es gibt virale Bronchitiden und Pneumonien und es gibt bakterielle. Es gibt eine beginnende durch Auskultation feststellbare Pneumonie ohne Röntgenveränderungen und es gibt austherapierte Pneumonien mit noch persistierenden Röntgenveränderungen. Solches Wissen scheint den Autoren der Untersuchungen gefehlt zu haben. Dies ist auf dem Niveau von Radiologen, die aus 30% Verschattungen der Nasennebenhöhlen auf MRT Aufnahmen eine 30%ige Sinusitisrate in der Bevölkerung diagnostizieren.  zum Beitrag »
[29.01.2013, 12:03:10]
Michael Odinius 
Hervorragender Artikel..
... allerdings gehört der passend zur Jahreszeit in die Bütt und nicht in die Ärztezeitung
tätä tätä ... zum Beitrag »
[29.01.2013, 11:37:15]
Dr. Richard Barabasch 
Was soll das schon wieder
Ich hatte mich gerade zum Einloggen angeschickt, um diesem Machwerk von selbsternannten Experten das entgegen zu halten - was Herr Micka bereits geschrieben hatte. Deshalb brauch' ich auch nichts zusätzlich anzumerken, ausser: Micka hat treflich kommentiert - hoffentlich kommt's auch dort an, wo es zur Brust genommen werden muss. Indes passt das "Pamphlet aus der Uniklinik" merkwürdig Puzzle-genau in die gerade auch aktuell wieder einmal ablaufenden Verunglimpfungskampagnen aufgrund von "im niedrigsten einstelligen Prozent-Bereich" nachweisbaren (menschlich-imperfekten) Fehlerereignissen, um die Basisversorgenden (Hausärzte) wieder einmal schein-"evidnece"-basiert madig zu machen. Als druff mit! Wann kommt endlich jene Arbeit, die nicht nur Evidenz, sondern den Evidence-Beweis liefert, in welch' höchtgradig zweistelligem Prozent-Bereich durch unsere Hausätzteschaft in Deutschland evidence-basiert auch akutuell-wissenschaftlich-orientierte hochwertige Arbeit im deutschen kranken Kassenpflichtversicherten-Bbetreuungswesen abliefert wird, tagtäglich und organisiert auch "ausserhalb der Sprechzeiten" ? !! Wann wird endlich akzeptiert, dass auch die Ärzteschaft, da an Mensch-Sein gebunden, keine Perfektum abliefern kann, weil es auf dieser Welt nie und nimmer "2perfekt" gibt. Gerade jene, die uns immer wieder unser angeblich Nicht-Perfekt-Sein vorwerfen, sollten das doch (mittels ein bischen Eigenkritik) bestens wissen: eben jene Scheinheiligen, Politiker und Mensch-Inkompetenten Medien - selbst fehelerbehaftet und inkompetent zum Kritisieren,
meint
Dr. Richard Barabasch zum Beitrag »
[29.01.2013, 09:38:31]
Maximilian Micka 
Was soll denn das nun wieder???
Also, liebe Leute, so einen schlechten und vor allem unfundierten Artikel habe ich hier schon seit Monaten nicht mehr gelesen:

1. "Warum Hausärzte Pneumonien übersehen"
Der Autor geht im gesamten Artikel nicht auf diese Frage ein. Es wird erörtert, daß es eine Diskrepanz gibt zwischen klinisch und radiologisch diagnostizierten Pneumonien, wo aber der Fehler bei der Diagnosestellung liegt wird nicht beantwortet. Thema verfehlt... Note 6!!

2. In diesem Artikel wird vorausgesetzt, daß eine Pneumonie dann vorliegt, wenn das Röntgenbild diese zeigt; dies ist aber nicht zwingend der Fall. Auch das Röntgenbild hat seine diagnostischen Schwächen und nicht jede Verschattung zeigt ein Infiltrat oder eine Stauung. Nicht erwähnt wurden in dem Zusammenhang, wieviel atypische Pneumonien unter den zu diagnostizierenden Lungenentzündungen waren. Von denen ist nämlich nichts zu hören. Nicht erwähnt wurden die falsch-negativen Röntgenaufnahmen. Nicht gemacht wurden darüber hinaus scheinbar laborchemische Kontrollen oder andere diagnostische Verfahren. Beantworten Sie mir doch bitte folgende Frage: Hausärzte vermuteten "...bei 99 Prozent der radiologisch unauffälligen Patienten auch keine Pneumonie". Waren die übrigen 1% gesund oder krank? Waren die 99% gesund oder krank?

3. "Um die Folgen einer initial übersehenen Pneumonie zu begrenzen, empfehlen van Vugt und Kollegen, die Patienten zur Wiedervorstellung aufzufordern, falls die Symptome nicht abklingen oder schlimmer werden..."
Diese Empfehlung mutet eher wie eine Armutserklärung als ein wichtiger diagnostischer Hinweis an. Die Kollegin möchte doch bitte zur Kenntnis nehmen, daß wir Hausärzte dazu da sind unsere Patienten nochmals zu sehen, oftmals im Gegensatz zu den fachärztlichen Kollegen. Dies als Verbesserungsvorschlag auf den Tisch zu bringen ist geradezu eine Frechheit und zeugt von Ahnungslosigkeit im Bezug auf die hausärztliche Arbeitsweise.

4. "294 Hausärzte aus zwölf europäischen Ländern" beteiligten sich an der Studie. Also im Schnitt 24 - 25 Pro Land. Soll das jetzt repräsentativ sein??? Es darf zusätzlich darauf hingewiesen werden, daß sich das Verordnungsverhalten von Ärzten in den verschiedenen Europäischen Ländern grundlegend unterscheidet sobald eine Ländergrenze überschritten ist. Das Verordnungsverhalten in Spanien ist ein anderes als in Frankreich oder in Deutschland, gleiches gilt für jedes andere Land der EU.

5. Was vom Artikel bleibt, ist der unverholene Vorwurf der übermäßigen Antibiotikaverordnung. Was noch bleibt ist die Erkenntnis, daß Universitätsmediziner in ihrer grenzenlosen Selbstüberschätzung offenbar keine Ahnung vom Leben und Arbeiten als Hausarzt haben. Die Studie, die es nie geben wird, deren Ergebnis aber wesentlich interessanter sein dürfte, wäre: "Wieviele Krankenhauseinweisungen werden durch eine korrekte hausärztliche Diagnostik und angepaßte frühe Therapie (nicht zwingend mit Antibiotika) verhindert und welcher volkswirtschaftliche Schaden wird auf diese Weise tagtäglich verhindert."

An die Redaktion der Ärztezeitung:
Spart Euch solche Artikel!

Freundlicher Gruß!

Maximilian Micka zum Beitrag »

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