Ärzte Zeitung online, 21.04.2017

Notaufnahme

Wer sollte sofort auf die Intensivstation?

In einer niederländischen Notaufnahme wurde nach Warnsignalen gesucht, die anzeigen, welche scheinbar stabilen Patienten besser gleich intensivmedizinisch versorgt werden sollten.

Von Beate Schumacher

Wer sollte sofort auf die Intensivstation?

Ungeplante Verlegung auf Intensiv: Vitalzeichen können eine Verschlechterung des Patientenzustands vorhersagen.

© Mathias Ernert, Uni-Klinik Heidelberg

TILBURG. Um Fehler bei der Triage in der Notfallambulanz zu vermeiden, sollte bei stabil scheinenden Patienten stärker auf Atemfrequenz und Blutgase geachtet werden. Darauf deutet eine kleine Studie aus den Niederlanden hin.

Warnsignale

In der Fall-Kontroll-Studie war ein paCO2 über 45 mmHg mit einem erhöhten Risiko verknüpft, dass ein notfallmäßig aufgenommener Patient innerhalb von 24 Stunden ungeplant auf die Intensivstation verlegt werden musste.

Bei Sepsis war eine Tachypnoe ein Indikator für eine plötzliche Verschlechterung des Patientenzustandes.

Bei COPD-Exazerbation war eine niedrige Sauerstoffsättigung statistisch signifikant häufiger mit einer Intensivversorgung assoziiert.

Nach der Fall-Kontroll-Studie ist vor allem das Vorliegen einer Hyperkapnie ein Warnsignal für eine drohende Verschlechterung. Ein paCO2 über 45 mmHg war mit einem erhöhten Risiko verbunden, dass ein notfallmäßig aufgenommener Patient innerhalb von 24 Stunden ungeplant auf die Intensivstation verlegt werden musste. Zur Vermeidung schwerer Zwischenfälle sei bei diesen Patienten daher die sofortige Aufnahme auf die Intensivstation in Betracht zu ziehen, so die Empfehlung der Studienautoren um Lena M. Boerma vom Elisabeth-Tweesteden-Krankenhaus in Tilburg (Am J Emerg Med 2017, online 12. März).

Die Ärzte haben die Daten von 125 Patienten analysiert, die zwischen 2013 und 2015 wegen Pneumonie (n = 18), COPD-Exazerbation (n = 16), Schlaganfall (n = 28), epileptischem Anfall (n = 12), Blutung (n = 10), PAVK (n = 14) oder Sepsis (n = 27) von der Notaufnahme zunächst auf eine Normalstation gekommen waren, dann aber innerhalb von 24 Stunden intensivmedizinisch betreut werden mussten. Sie wurden verglichen mit gleichaltrigen Notfallpatienten mit denselben Diagnosen, bei denen es nicht zur Verlegung gekommen war; außer beim Schlaganfall (n = 11) hatten die Vergleichsgruppen dieselbe Größe.

Die häufigste Ursache für die notwendig gewordene Intensivversorgung war ein Atemversagen (32 Prozent), gefolgt von hämodynamischer Instabilität (28 Prozent).

Beim Vergleich von Intensiv- und Nichtintensivpatienten bezüglich der in der Notaufnahme erhobenen Parameter fand sich nur bei der Hyperkapnie ein statistisch signifikanter Unterschied: Von den späteren Intensivpatienten hatten 17 einen paCO2> 45 mmHg, von den Vergleichspatienten nur 5. Keine Unterschiede ergaben sich dagegen bei den Parametern Tachypnoe, geringe Sauerstoffsättigung, Tachykardie, Hypotonie, erniedrigte/erhöhte Temperatur, Azidose, erhöhter Laktatspiegel oder abnorme Leukozytenzahlen.

In zwei der drei größten Diagnosegruppen fanden sich weitere mögliche Indikatoren für eine plötzliche Verschlechterung: Bei Sepsis war eine Tachypnoe (> 20/min; 16 Intensiv- vs. 8 Kontrollpatienten) und bei COPD-Exazerbationen eine niedrige Sauerstoffsättigung (< 90 Prozent; 4 vs. 0) statistisch signifikant häufiger mit einer Intensivversorgung assoziiert.

"Vitalzeichen, insbesondere die Atemfrequenz, und die Blutgasanalyse sind nach diesen Daten wichtig, um eine Verschlechterung vorherzusagen", lautet das Fazit der Notfallmediziner. Vor diesem Hintergrund sehen sie es als besonders bedenklich an, dass viele Krankenakten keine Angaben zu Vitalzeichen enthielten. So war zum Beispiel die Atemfrequenz nur bei 42 Prozent der Patienten während der Notaufnahme dokumentiert worden.

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