Ärzte Zeitung, 05.04.2006

Was wie Bärlauch aussieht, können giftige Blätter sein

Zwiebelgewächs wird oft mit Herbstzeitloser verwechselt

BEXBACH (wk). Bärlauch ist in: Die Pflanze wird inzwischen in Wurst-Produkten, Käse, Quark und Dips verarbeitet. Aber: Bärlauch-Produkte sind teuer. Viele Liebhaber der nach Knoblauch duftenden Pflanze streifen daher im Frühling durch die Wälder, um Bärlauch zu ernten. Dabei kommt es nicht selten zu Verwechslungen mit giftigen Pflanzen wie der Herbstzeitlosen.

Kinder sammeln Bärlauch: Vorsicht, er ist leicht mit giftigen Herbstzeitlosen zu verwechseln. Foto: dpa

"Obwohl der knoblauchähnliche Geruch ein typisches Kennzeichen des Bärlauchs ist, wird die Pflanze von Sammlern immer wieder mit giftigen Doppelgängern verwechselt", warnt Professor Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung. Denn wenn im Frühjahr das erste Grün sprießt, ähneln Bärlauchblätter jenen von Maiglöckchen, Aronstab und Herbstzeitloser.

Gerade die Herbstzeitlose bevorzugt nicht nur die gleichen Kalkböden wie der Bärlauch, sie sieht ihm auch extrem ähnlich. Doch ihre Wirkungen haben es in sich: Von unstillbarem Durstgefühl, Brechdurchfall bis hin zur Herzlähmung ist alles möglich. "Drei Samenkapseln reichen aus, um ein Kind zu töten, fünf können tödlich für einen Erwachsenen sein", so Dr. Peter Rink aus Bexbach zur "Ärzte Zeitung".

Rink ist einer der wenigen ausgewiesenen Pflanzenexperten im Saarland und berät Kliniken bei schweren Vergiftungen durch Pilze und Wildpflanzen. Rink kann die Leichtfertigkeit, mit der manche Sammler vorgehen nicht nachvollziehen. "Es gibt so viele für den Menschen gefährliche Pflanzen, die schnell mit der einmal gesehenen Nutzpflanze verwechselt werden können", sagt er.

Außer der Verwechslungen von Bärlauch mit Herbstzeitlosen kommt es im Frühjahr auch zu Vergiftungen mit der Frühjahrslorchel. Dieser Pilz ähnelt der beliebten Speise-Morchel, ihr wasserlösliches Zellgift sorgt jedoch für Mattigkeit, Magenkoliken, Erbrechen und Durchfall.

Rufnummern von Vergiftungszentralen im Internet: www.giftinfo.uni-mainz.de/Deutsch/giftinfozentralen/Giftinfo-D.html. Fachfragen beantwortet auch Dr. Peter Rink, Telefonnummer 0 68 41/1 62 24 27

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