Ärzte Zeitung, 23.05.2007

HINTERGRUND

Apfelschnee allein kann den Salmonellen-Ausbruch nicht erklären

Von Thomas Müller

Salmonellen-Kultur in einer Schale mit Agar. In Fulda haben solche Bakterien über 260 Menschen infiziert. Foto: klaro

Es war der Apfelschnee - mit dieser Erkenntnis beendete das Fuldaer Gesundheitsamt gestern ein fast drei Wochen andauerndes Rätselraten über die Ursachen des mysteriösen Salmonellen-Ausbruchs in der Fuldaer Klinik und einem angrenzenden Seniorenheim. Die wichtigsten Fragen sind damit aber noch lange nicht beantwortet. So ist weiterhin unklar, weshalb zwei Drittel der Erkrankten Patienten und Seniorenheim-Bewohner waren, obwohl der Corpus Delikti nur in der Mitarbeiter-Kantine verteilt wurde. Auch weshalb es so lange dauerte, bis man zumindest diese eine Quelle entdeckt hatte, darauf bleibt die Klinikleitung noch eine Antwort schuldig.

Dabei verlief der Ausbruch zunächst wenig spektakulär: Vor knapp zwei Wochen meldete das Fuldaer Klinikum 170 Salmonellen-Infizierte in der Klinik und im benachbarten Heilig-Geist-Seniorenzentrum. Ausbrüche in dieser Größenordnung gibt es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) immer wieder: 2006 wurden über eine Eisdiele in Nordrhein-Westfalen 171 Menschen infiziert, in einem Hamburger Altersheim erkrankten 136 Bewohner. Vor zwei Jahren erwischte es bundesweit mindestens 500 Personen, die ein bestimmtes Produkt mit rohem Schweinefleisch gegessen hatten, so Susanne Glasmacher, Pressesprecherin am RKI zur "Ärzte Zeitung". Insgesamt werden jährlich über 50 000 Infektionen mit der meldepflichtigen Erkrankung in Deutschland registriert.

Meist fällt der erste Verdacht auf die Kantine

Häufen sich Erkrankungen in einer Einrichtung, dann fällt der erste Verdacht auf die Kantine. Das war auch in Fulda der Fall, schließlich hatte die Kantine auch das Seniorenheim versorgt, in dem 23 Menschen erkrankten. Doch in ersten Untersuchungen fiel noch kein Verdacht auf den Apfelschnee oder andere Lebensmittel in den Kantinen oder der Cafeteria. Ungewöhnlich ist auch, dass es in Fulda zu einer zweiten Infektionswelle kam. Nachdem der Ausbruch Anfang Mai eingedämmt schien, erkrankten Anfang vergangener Woche erneut 30 Menschen. Auch diese zweite Welle lässt sich mit dem kontaminierten Dessert Ende April in der der Mitarbeiterkantine nur zum Teil erklären und deutet auf eine weitere Infektionsquelle. Möglicherweise hat ein infizierter Küchen-Mitarbeiter unbemerkt Salmonellen ausgeschieden und damit Nahrungsmittel kontaminiert. "So etwas kann aber nur bei Verletzung der Hygienevorschriften geschehen", sagte Professor Klaus Stark vom Fachgebiet für lebensmittelbedingte Infektionen am RKI. "Wenn sich jemand nach der Toilette sorgfältig die Hände mit Seife wäscht, dann ist das Infektionsrisiko dagegen minimal", so Stark, denn Menschen können die Erreger nur
über Stuhl verbreiten, nicht aber
über Schweiß oder Speichel.

Weitere Verbreitung durch mangelnde Hygiene?

Ob mangelnde Hygiene tatsächlich mit ein Grund für die weitere Verbreitung des Erregers war, dem dürfte ein 40-köpfiges Expertenteam nun nachgehen, das seit Montag die Vorgänge im Klinikum untersucht. Beteiligt an den Untersuchungen sind auch drei Experten vom RKI. Bei Salmonellen-Ausbrüchen wie im Klinikum Fulda werden die Erkrankten mit standardisierten Fragebögen genau nach ihren Essgewohnheiten befragt, sagte Stark. Die Aussagen werden dann mit Personen verglichen, die nicht infiziert sind. Daraus versucht man, Infektionsquellen und
Übertragungswege herauszufinden
Untersuchungen hat inzwischen auch die Staatsanwaltschaft eingeleitet. Sie ermittelt in acht Fällen wegen fahrlässiger Tötung und in mehr als 260 Fällen wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen das Klinikum. "Wir müssen klären, ob ein Verschulden vorliegt", so der Sprecher der Behörde, Stephan Heres.

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Salmonellen- Ausbruch in Fulda

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