Ärzte Zeitung, 23.10.2009

Argumente für das Impfen gegen Rotaviren

Das Spektrum der Erkrankung durch Rotaviren ist breit: von der asymptomatischen Form bis hin zur schweren Gastroenteritis mit lebensbedrohlicher Exsikkose.

Von Adela Zatecky

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Eine Schluckimpfung schützt Säuglinge und Kleinkinder vor Erkrankungen durch Rotaviren.

Foto: Sanofi Pasteur MSD

BAD ORB. Die Impfung von Säuglingen gegen Rotavirus-Infektionen ist wirksam, sicher und daher letztlich auch sinnvoll. Spätestens beim Erstkontakt mit dem Pädiater sollte das Thema der Rotavirus-Impfung mit den Eltern besprochen werden.

In diesem Erstkontakt-Gespräch, das meist bei der U3-Untersuchung des Säuglings stattfindet, sollten die Eltern auf die Bedeutung und die Häufigkeit von Rotavirus-Infektionen sowie auf die Möglichkeit der Impfung aufmerksam gemacht werden, forderte Dr. Gunther Gosch aus Magdeburg beim 27. Herbst-Seminar-Kongress des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendmedizin (BVKJ).

Die Krankheitslast ist hoch: Im Jahr 2008 verzeichnete das Robert-Koch-Institut insgesamt 77 000 Erkrankungsfälle in Deutschland - Schätzungen gehen allerdings von einer sehr hohen Dunkelziffer aus. Im Alter von drei Jahren hat sich nahezu jedes Kind mindestens einmal mit Rotaviren infiziert, und 65 Prozent aller wegen Gastroenteritiden hospitalisierten Kinder sind hierzulande Rotavirus-positiv. Die Wirksamkeit, Wirkdauer und Sicherheit der Schluckimpfung gegen die Rotavirus-Enteritis sind in großen Studien hinlänglich belegt, betonte Gosch.

Probleme in der Überzeugungsarbeit bereitet derzeit weniger die medizinische Sachlage, als vielmehr die Erstattungslage, bemängelte Gosch. Denn obwohl die STIKO in einem Fragen-und-Antworten-Katalog die Rotavirus-Impfung bei Säuglingen prinzipiell positiv bewertet, liegt eine offizielle allgemeine STIKO-Empfehlung derzeit noch nicht vor - und damit auch keine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung. Dennoch wird die Impfung gegen Rotaviren von einer zunehmenden Zahl an gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

Für die Kostenübernahme empfiehlt Gosch die folgende Argumentation: Die Rotavirus-Impfung werde auf der Basis von REST - einer der größten jemals durchgeführten Studien mit 70 000 Teilnehmern - seit 2006 durch die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin sowie von mehreren internationalen Fachgesellschaften empfohlen. Seit Juni wird die Schutzimpfung gegen Rotavirus-Infektionen auch von der WHO für jeden Säugling dringend empfohlen, betonte Gosch: "Das ist ausgesprochen hilfreich in der Diskussion mit Krankenkassen, aber auch mit den Beamten und Kollegen der entsprechenden Ministerien."

Welche gesetzlichen Krankenkassen die Impfung zahlen, ist unter der Rubrik "Rotaviren" unter www.impfkontrolle.de nachzulesen. Dort finden Patienten auch einen Formbrief zum Antrag auf Kostenerstattung.

Rotaviren sind sehr ansteckend

Rotaviren sind die Hauptursache akuter Gastroenteritiden im Kindesalter. Fast jedes Kind infiziert sich in den ersten Lebensjahren. Die meisten Rotavirus-Brechdurchfälle betreffen Kinder im Alter von 6 bis 24 Monaten. Eine Rotavirus-Gastroenteritis kann schlagartig von einer milden zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung werden. Die Viren sind sehr ansteckend und umweltresistent, eine Übertragung ist nur schwer zu verhindern. Sie sind Ursache von 70 Prozent aller nosokomialen Gastroenteritiden. Hauptsymptome einer Rotavirus-Erkrankung sind Durchfall, Erbrechen und Fieber. Hinzu kommt häufig eine Exsikkose, Atemwege und ZNS können beteiligt sein, etwa durch Krampfanfälle. Die Serotypen G1, G2, G3 verursachen etwa 98 der Rotavirus-Gastroenteritiden bei Kindern in Deutschland. (eb)

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