Ärzte Zeitung online, 28.10.2010

Cholera könnte sich in Amerika ausbreiten

PORT-AU-PRINCE (eb). Die Cholera in Haiti könnte sich nicht nur in der benachbarten Dominikanischen Republik ausbreiten, sondern auch auf dem amerikanischen Kontinent. Das befürchtet die pan-amerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO).

Cholera könnte sich in Amerika ausbreiten

Haiti im Regen: Die Nachbarländer fürchten mittlerweile, dass die Cholera zu ihnen schwappt.

© dpa

Der stellvertretende Direktor der regionalen Unterorganisation der WHO, Jon Andrus, geht davon aus, dass die Cholera über Jahre in Haiti persistieren wird. Sie könnte sich nach seinen Worten auch auf den amerikanischen Kontinent ausbreiten.

Grund für seine Befürchtungen sind die Erfahrungen mit der letzten großen Cholera-Epidemie auf dem amerikanisch Kontinent. Sie hatte 1991 in Peru begonnen, binnen zwei Jahren hatten sich mehr als 500 000 Menschen infiziert.

Von Kanada bis Argentinien war damals fast jedes amerikanische Land von der Cholera betroffen. Ausgenommen von der Epidemie waren damals Haiti und die Dominikanische Republik, sowie einige karibische Inseln (BMJ online).

Auch diesmal befürchten die Gesundheitsbehörden amerikanischer Staaten, dass die Cholera sich stark ausbreiten könnte. So hatte die Dominikanische Republik am 25. Oktober aus Angst vor einer Epidemie vorübergehend ihre Grenzen zu Haiti geschlossen. Zwei Tage später wurden die Grenzübergänge aber wieder geöffnet.

In Panama wurden unterdessen medizinische Checkpoints im Flughafen Tocumen in der Haupstadt Panama City eingerichtet. Dort werden nun Passagiere auf Infektionssymptome untersucht. Außerdem werden Abwässer aus Flugzeugkanistern gesondert entsorgt.

Vier große Probleme im Zusammenhang mit dem Cholera-Ausbruch in Haiti bereiten den Experten derzeit Bauchschmerzen:

• Den Gesundheitsbehörden und der Bevölkerung fehlen Erfahrungen mit einer solchen Epidemie. Der letzte Cholera-Ausbruch in Haiti liegt rund 50 Jahre zurück.

• In Haiti gehört es zum traditionellen Umgang mit Toten, dass Verstorbene tagelang bei der Familie bleiben.

• Viele Menschen baden, waschen Wäsche und Haushaltsgegenstände im Fluss Artibonite, der als kontaminiert gilt.

• Seit dem großen Erdbeben am 12. Januar leben etwa 1,3 Millionen Menschen in behelfsmäßigen Unterkünften in der Hauptstadt Port-au-Prince. Darüber hinaus gibt es viele Slums mit schwierigen hygienischen Verhältnissen.

Trotz aller Probleme: Die von der PAHO und anderen internationalen Gesundheitsorganisationen unterstützten Gesundheitsbehörden in Haiti haben es bislang mit einfachen Maßnahmen geschafft, die Zahl der Toten in Grenzen zu halten.

Zum Einsatz kommen Salztabletten zur oralen Therapie, Infusionen und Wasserdesinfektionsmittel. Solche Tabletten und Infusionen wurden seit dem Januar-Erdbeben in Haiti vorgehalten.

Bis Mittwochabend ist die Zahl der Cholera-Toten in Haiti bis zum auf 304 gestiegen. Über 4770 Menschen sind bislang infiziert.

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