Ärzte Zeitung online, 13.05.2014

Gastroenteritiden

Noroviren führen die Melde-Hitliste an

Die Zahl der Norovirus-Erkrankungen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen - und sich seither auf dem hohen Niveau eingependelt. Das hat auch mit unseren Lebensmitteln zu tun.

Noroviren: viele Infekte und keine Abnahme in Sicht

Norovirus-Brechdurchfälle sind die häufigsten meldepflichtigen Infektionen in Deutschland.

© Charles D. Humphrey / CDC

BERLIN. Gastroenteritiden mit Noroviren bleiben in Deutschland die häufigsten meldepflichtigen Erkrankungen, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Die Infektionen treten vor allem von November bis April auf. Insgesamt wurden 570.916 laborbestätigte Norovirus-Erkrankungen zwischen 2009 und 2013 an das RKI übermittelt (Epi Bull 2014; 19: 165). Dies entspricht einer medianen Fallzahl von 113.335 gemeldeten Fällen pro Jahr in Deutschland.

Die Analyse von 19.570 Norovirus-Ausbrüchen aus dieser Zeit (vier Fünftel aller übermittelten Ausbrüche) ergab, dass 45 Prozent in Kliniken, 29 Prozent in Alten- und Pflegeheimen, elf Prozent in Kinderbetreuungseinrichtungen und zehn Prozent in privaten Haushalten stattfanden. Insgesamt ergab sich bei den Infektionen eine niedrige Sterberate von 0,04 Prozent.

Nach molekulargenetischen Analysen dominiert in Deutschland wie in vielen anderen Ländern auch der Genotyp II.4 mit vier Varianten. Neue Virusvarianten dieses Typs (Sydney 2012 und die Rekombinante New Orleans 2009/Sydney 2012) haben in Deutschland noch nicht zu einer Zunahme der Erkrankungszahlen geführt.

Die kontinuierliche Analyse der zirkulierenden Virusvarianten "ist eine wichtige Voraussetzung für die Anpassung von Nachweismethoden und für eine mögliche Vakzineentwicklung", betont das RKI.

Nach einer durchgemachten Norovirus-Infektion besteht wahrscheinlich nur für wenige Monate ein Immunschutz vor weiteren Infektionen mit dem gleichen Genotyp und kaum Kreuzimmunität zu anderen Genotypen.

Obwohl bei nahezu jedem Erwachsenen Norovirus-Antikörper zu finden sind, konnte bisher kein Langzeitschutz nachgewiesen werden. Ein Grund hierfür sind wahrscheinlich häufige Änderungen im Kapsid-Protein des Virus durch Mutationen.

Noroviren sind bekanntlich hoch kontagiös, weniger als 100 Viruspartikel reichen für eine Infektion aus. Nach Schätzungen werden weltweit etwa die Hälfte aller Gastroenteritis-Ausbrüche durch die Erreger verursacht. Häufigste Ursache sind Mensch-zu-Mensch-Übertragungen - etwa durch orale Aufnahme virushaltiger Tröpfchen, die im Rahmen des schwallartigen Erbrechens entstehen.

Infektionen sind aber auch durch kontaminierte Lebensmittel oder Flüssigkeiten oder durch Kontakt zu verunreinigten Oberflächen möglich. Lebensmittel können aber auch schon während der Herstellung oder Verteilung mit Noroviren verunreinigt werden, etwa durch Virus-verunreinigte Bewässerung von Gemüse, durch Erntehelfer oder Caterer.

So hatten kontaminierte Tiefkühlerdbeeren im Herbst 2012 zu Gastroenteritis-Ausbrüchen in 390 Schulen, Kindergärten und in anderen Einrichtungen der fünf ostdeutschen Bundesländer geführt. Bei dem in Deutschland bislang größten lebensmittelbedingten Ausbruch waren fast 11.000 Menschen erkrankt. (eis)

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