Ärzte Zeitung, 04.03.2016

Rotavirus

Impfung rettet tausenden Kindern das Leben

Von Wolfgang Geissel

Impfung rettet tausenden Kindern das Leben

Schluckimpfung gegen Rotaviren verhindert schwere Brechdurchfälle.

© st-fotograf / fotolia.com

Mexiko: Säuglings-Sterberate bei Durchfällen halbiert / England: Weniger Klinikaufenthalte

Rotavirus-Impfungen retten in Schwellenländern tausenden Kindern das Leben. In Industrieländern bewahren sie Kleinkinder vor Klinikaufenthalten.

WAVRE. Rotavirus-Gastroenteritis gehört in Deutschland zu den häufigsten gemeldeten Infektionskrankheiten. 2009 wurden nach Angaben das Robert Koch-Instituts (RKI) bundesweit 62.207 Erkrankungen gemeldet. 61 Prozent davon bei unter Fünfjährigen. Jedes zweite Kind musste stationär behandelt werden.

Wie wirksam sich die schweren Erkrankungen durch konsequente Impfprogramme verhindern lassen, zeigen jetzt Daten aus Mexiko und England. Die Studien hat Dr. Thomas Breuer, Chief Medical Officer Vaccines von GlaxoSmithKline bei einer Veranstaltung im Impfstoffwerk des Unternehmens in Wavre bei Brüssel vorgestellt. So hat sich in Mexiko nach Einführung der Rotavirus-Impfung 2007 die Durchfall-Sterberate bei unter Fünfjähringen halbiert (Pediatrics 2013; 131: e1115).

Zwei Zeiträume wurden verglichen: 2002 bis 2006 und 2009 bis 2011. In drei unterschiedlich gut entwickelten Regionen von Nord-, Zentral- und Südmexiko nahmen dabei die Durchfallsterberaten von 8,3, 17,9 und 28,5 pro 100.000 Kinder auf 4,5 8,1 und 16,2 ab; in diesen Regionen hatten 84 bis 99 Prozent der Säuglinge den kompletten Impfschutz.

Insgesamt sei in dieser Zeit durch das Impfprogramm in Mexiko etwa 1000 Kindern das Leben gerettet worden, so die Autoren der Studie. Auch der regelmäßig in den Wintermonaten verzeichnete Anstieg von Durchfall-Sterbefällen bei Kleinkindern gab es nach Einführung der Impfung nicht mehr.

In Industrieländern ist die Durchfall-Mortalität bei Kleinkindern sehr gering. Die Rotavirus-Impfung reduziert dort aber die Rate schwere Verläufe mit Klinikaufenthalten deutlich, wie eine Studie in England und Wales bestätigt (J Infect Dis 2016; 231: 243).

Dort war bereits im ersten Jahr nach Einführung der Impfung im Jahr 2013 die Rate der labordiagnostisch bestätigten Rotavirus-Erkrankungen bei Säuglingen bis zum ersten Geburtstag um 77 Prozent und die der durch Durchfälle insgesamt bedingten Klinikaufenthalte um 26 Prozent zurückgegangen. Inzwischen gibt es auch dort keine saisonal erhöhten Erkrankungszahlen in den Wintermoneten, wie Breuer berichtet hat.

Ein Wermutstropfen: In sehr seltenen Fällen können nach der Rotavirus-Impfung Darminvaginationen auftreten. Breuer bezifferte das Risiko als 6 Ereignisse pro 100.000 mit zwei Dosen geimpften Kindern.

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