Ärzte Zeitung online, 29.09.2016

PAHO und WHO

Ganz Amerika ohne Masern und Röteln

"Historischer Tag" laut WHO: Trotz Ausbrüchen gilt Amerika weiter als frei von Masern. Auch die Röteln wurden eliminiert.

WASHINGTON. Ganz Amerika gilt seit 2002 offiziell als frei von endemischen Masern. Von 2003 bis 2010 gab es auf dem Kontinent im Schnitt nur noch etwa 150 Fälle durch eingeschleppte Erkrankungen oder Sekundärinfektionen. Zwischen 2011 und 2015 wurden jedoch in Brasilien, Kanada, Ecuador und den USA Ausbrüche mit dem acht- bis zwölffachen dieser Erkrankungszahlen registriert.

Dies war auch im Dezember 2014 in Kalifornien der Fall, als sich im Disneyland durch eine importierte Erkrankung über 140 Menschen ansteckten. In dem US-Staat waren die Impfraten gesunken. In den USA sind Masernimpfungen für Kinder in Schulen und Kindergärten vorgeschrieben, sie können aber etwa aus religiösen Gründen verweigert werden.

Trotz der Masernwellen werde der Kontinent weiter als masernfrei eingestuft, berichten die Pan American Health Organization (PAHO) und das WHO-Regionalbüro für Amerika in einer Mitteilung. Zudem deklarierten die Organisationen die Elimination von Röteln und Röteln-Embryopathien. So waren in ganz Amerika von 2010 bis 2015 nur noch 63 Fälle von Röteln in acht Ländern sowie acht importierte Fälle von Röteln-Embryopathie in den USA und Kanada registriert worden.

WHO: "Historischer Tag"

"Das ist ein historischer Tag für die Region und auch für die Welt", sagte die Direktorin von PAHO/WHO am Dienstag in Washington. Amerika ist die erste WHO-Region weltweit, in der endemische Masern, Röteln und Röteln-Embryopathien nicht mehr auftreten.

Das ist ein großer Fortschritt: Noch zwischen 1971 und 1979 seien allein 102.000 Menschen an Masern gestorben. Um die Elimination zu sichern, sind in amerikanischen Ländern aber weiter umfassende Impfaktionen gegen Masern, Mumps, Röteln erforderlich, so PAHO/WHO.

Deutschland ist von den Eliminations-Zielen weit entfernt. 2015 gab es bundesweit 2602 Fälle, 2016 bisher 274 Fälle. Für eine Elimination dürfen aber nur 80 Erkrankungen pro Jahr auftreten. (eis)

[04.10.2016, 16:55:31]
Thomas Georg Schätzler 
Vergleich Amerika-Europa
Noch am 7. Jan 2013 wurde unter dem Titel: "Europa: Masern in England, Frankreich und Rumänien" veröffentlicht:
"Die europäischen Gesundheitsbehörden (ECDC - European Centre for Disease Prevention and Control) berichten über den deutlichen Rückgang der Masernerkrankungen in Europa. Masern-Impfkampagnen und wichtige Impfprogramme der lokalen Gesundheitsbehörden haben in vielen europäischen Ländern zu diesem Erfolg beigetragen. Anfang Dezember 2012 wurden für das vergangene Jahr 7.016 Masernfälle in der EU gezählt. Im Vergleichszeitraum 2011 waren es rund 30.000 Masernfälle. Bei den 2012 gemeldeten Masernfälle entfielen jedoch 94% der Fälle auf nur wenige Länder: Rumänien, England, Frankreich, Italien und Spanien."

Deutschland mit hoher Bevölkerungsdichte lag demnach 2012 mit 183 Masern-Fällen im guten Mittelfeld der EU bei einem deutlichen Rückgang der Erkrankungszahlen im Vergleich zu 2011. Im Jahr 2013 wäre eine Masern-Elimination durchaus möglich gewesen
https://www.fit-for-travel.de/news/europa-masern-in-england-frankreich-und-rumaenien/

Inzidenz und Prävalenz dieser übertragbaren Virusinfektion ("communicable disease") ist eher durch exogene Faktoren, also z. B. durch Migration mit Ein- und Zuwanderung, Flüchtlingsströme, Asylbegehren etc. aus welchen respektablen Gründen auch immer, angestiegen und n i c h t durch mangelnde Impfbereitschaft der Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland bedingt.

Wenn Nord-, Süd- und Mittel-Amerika im vergleichbaren Verhältnis derart viele Flüchtlinge wie die Bundesrepublik Deutschland aufgenommen hätten, wäre die Masern-Elimination dort ebenfalls in weite Ferne gerückt.

So haben wir zwar Lob vom US-Präsidenten Barack Obama für die Merkel'sche Flüchtlingspolitik bekommen, aber dafür umso mehr Häme für unsere defizitäre "Infektiologie"-Politik erhalten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

9 wichtige Forderungen, Analysen, Informationen

Fleißige Delegierte: In Freiburg wurde wieder eine große Palette an Themen abgearbeitet. mehr »

Versorgungswerke sitzen auf 184 Milliarden Euro

Auf die Frage nach der Leistungsfähigkeit der Versorgungswerke tut sich die Bundesregierung mit dem Blick in die Glaskugel schwer. Die Anzahl der Rentenempfänger werde wohl weiter deutlich zunehmen. mehr »