Ärzte Zeitung online, 15.05.2014

Fußball-WM

Reisende brauchen Meningitisschutz

Reisende brauchen Meningitisschutz

An Orten mit vielen Menschen auf engem Raum ist das Risiko einer Meningokokken-Infektion erhöht. Außer für Austauschschüler und -studenten in Wohnheimen sowie Mekka-Pilger ist die Impfung auch für WM-Reisende zu empfehlen.

Von Sandra Vergin und Professor Tomas Jelinek

Meningokokken-Meningitis wird durch Neisseria meningitidis verursacht. Von den 13 Serotypen des Bakteriums sind fünf klinisch relevant: A, B, C, W135 und Y. Diese Serogruppen kommen regional in unterschiedlichen Anteilen vor. In Europa zum Beispiel dominieren die Typen B und C mit etwa 75 und 20 Prozent .

Einzelimpfstoffe gegen die Serotypen B und C sowie ein Konjugatimpfstoff gegen die Serotypen A, C, W135 und Y sind in Deutschland erhältlich. Die Kombivakzine ist vor allem auch für die Reisemedizin interessant. Je nach Risiko im Zielland ist zusätzlich der Einzelimpfstoff gegen Typ B zu empfehlen.

An Orten mit hohem Menschenaufkommen ist das Risiko einer Meningokokken-Infektion erhöht. So sollten zum Beispiel Fußball-Fans, die zur Weltmeisterschaft nach Brasilien reisen und dort im Stadion oder beim Public Viewing die Spiele verfolgen werden, geimpft sein.

Viele Menschen sind asymptomatische Bakterienträger

Einige Länder wie die USA, England und Kanada schreiben für Austauschschüler und -studenten eine Meningokokken-Impfung vor. Für Teilnehmer an der Pilgerfahrt Hajj ist der Impfschutz gegen Meningokokken seit einigen Jahren Pflicht und bei der Einreise nach Saudi-Arabien vorzuweisen.

Besonders hoch ist das Infektionsrisiko im "Meningitis-Gürtel" Afrikas südlich der Sahara, und zwar vor allem während der Trockenzeit von Dezember bis Mai. Bei Reisen in die Region ist Impfschutz dringend angeraten. Gleiches gilt grundsätzlich für Aufenthalte in Endemiegebieten bei engem Kontakt zu Einheimischen.

Viele Menschen sind asymptomatische Träger von Meningokokken-Bakterien, die den Nasenrachenraum besiedeln. Die Übertragung auf andere Personen erfolgt über Tröpfchen, beispielsweise bei einem Anhusten oder Anniesen.

Eine Meningitis-Erkrankung äußert sich durch plötzliches Auftreten von hohem Fieber mit begleitenden starken Kopfschmerzen, schließlich kommt es zu Nackensteifigkeit, Bewusstseinstrübungen und Krämpfen. Die Letalität liegt bei etwa zehn Prozent.

Sandra Vergin und Professor Tomas Jelinek sind am CRM Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf tätig.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »