Ärzte Zeitung App, 07.10.2014

Bakteriämie

Höhere Sterberate auch auf lange Sicht

Wird, wie bei einer Bakteriämie, der Blutkreislauf mit Bakterien überschwemmt, leiden die Patienten auch Jahre später noch an den Folgen. So ist zum Beispiel der Anteil der Patienten mit Leukämie höher als in der übrigen Bevölkerung.

Von Peter Leiner

Höhere Sterberate auch auf lange Sicht

Auch wenn Patienten eine Bakteriämie überleben, scheinen sie auf Dauer krankheitsanfälliger zu sein.

© Khunaspix/fotolia.com

ODENSE. Selbst fünf Jahre nach einer Bakteriämie ist das Sterberisiko noch signifikant höher als in der übrigen Bevölkerung.

Das geht aus der Untersuchung der Daten von fast 8000 Patienten in Dänemark über einen Zeitraum von zwölf Jahren hervor. Die häufigsten Todesursachen waren Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen.

Bisher gab es Daten zur Mortalität nach einer Bakteriämie innerhalb einer nicht ausgewählten Population nur bis zu einem Follow-up von einem Jahr. Um auch Langzeitdaten zur Sterberate zu erhalten, machten dänische Infektiologen eine bevölkerungsgestützte Studie (Journal of Infection 2014; online 9. September).

In der Untersuchung werteten sie in Fünen die Daten von 7783 Patienten mit Bakteriämie und von 38.906 Teilnehmern der übrigen Bevölkerung aus dem Zeitraum zwischen 2000 und 2008 aus. Das Follow-up endete im Dezember 2011.

Die Wissenschaftler um Dr. Stig L¢nberg Nielsen von der Universitätsklinik in Odense stützten sich bei ihren Analysen auf die Daten des Infektionsregister DORIS (Danish Observational Registry of Infections Syndroms). Patienten- und Kontrollgruppe waren in Bezug auf das Geschlecht, das Geburtsjahr und den Wohnort aufeinander abgestimmt.

Jeder Vierte mit E.-coli-Infektionen

Die häufigsten Ursachen einer Bakteriämie waren Infektionen mit Escherichia coli (28 Prozent), Staphylococcus aureus (12 Prozent) und koagulasenegativen Staphylokokken (10 Prozent). Das mediane Follow-up lag in der Gruppe der Patienten bei 2,21 Jahren, in der Vergleichsgruppe bei 6,15 Jahren.

Bestimmt wurde die Sterberate zu den Zeitpunkten 30 und 90 Tage sowie ein Jahr, fünf und zehn Jahre nach der Bakteriämie.

Die kumulative Gesamtmortalität lag in der Gruppe der Patienten zu jedem Zeitpunkt deutlich höher als in der Kontrollgruppe, zum Beispiel bei 22,0 versus 0,2 Prozent (30 Tage), 63 versus 16,8 Prozent (fünf Jahre) und 75,8 versus 36,6 Prozent (zehn Jahre). Die mediane Überlebenszeit betrug 2,21 beziehungsweise mehr als zwölf Jahre.

Das relative Sterberisiko, ausgedrückt als Verhältnis der Mortalitätsrisiken (Mortality Rate Ratio, MRR), war mit einem Quotienten von 115,3 im Zeitraum bis zu 30 Tagen nach der Bakteriämie am höchsten.

Doch selbst nach fünf Jahren bis zum Ende des Follow-up lag es immer noch bei einem Wert von 2,1. Nach Angaben von Nielsen und seinen Kollegen war das Gesamtsterberisiko der Patienten, die 30 Tage nach der Bakteriämie noch lebten, um fast das Vierfache im Vergleich zur übrigen Bevölkerung erhöht (MRR: 3,9).

Häufigste Todesursache Krebs

Die häufigste Todesursache innerhalb des ersten Jahres nach der Infektion war Krebs, und zwar mit einer Sterberate (MR Mortality Rate) von 232 pro 1000 Personenjahren. An zweiter Stelle folgten kardiovaskuläre Erkrankungen (MR: 127 pro 1000 Personenjahren).

Der Anteil beider Todesursachen an allen Sterbefällen lag bei 54 Prozent (1199 von 2212 Todesfällen). Das relative Risiko, an den Folgen von Krebs zu sterben, war somit um fast das Dreifache (MRR: 2,8), und an den Folgen kardiovaskulärer Erkrankungen zu sterben, um mehr als das Zweifache erhöht (MRR: 2,2).

 Damit bestätigen die Ergebnisse dieser Studie frühere Beobachtungen in klinischen Studien. Bemerkenswert sei, so die Infektiologen, dass der Anteil der Patienten mit Leukämie in der Gruppe der Studienteilnehmer mit Bakteriämie höher lag als in der übrigen Bevölkerung.

Ein kausaler Zusammenhang zwischen Bakteriämie und Langzeitsterberate lässt sich aus den Studiendaten nicht ablesen. Die Infektiologen halten es für möglich, dass Bakteriämie ein Marker für die Krankheitsanfälligkeit der Patienten ist.

Möglicherweise seien allerdings Rauchen, Adipositas und niedriger sozioökonomischer Status nicht berücksichtigte Faktoren, die das Studienergebnis verzerrt haben könnten.

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