Ärzte Zeitung, 24.08.2004

Lokale Antimykotika bei Nagelpilz unverzichtbar

Systemische Therapie allein erhält lange die Infektiosität / Spezialisten plädieren für Topika auch bei starkem Befall

MÜNCHEN (sto). Die Onychomykose ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern auch eine ernstzunehmende Infektionskrankheit, so der Freiburger Dermatologe Professor Eckart Haneke. Die befallenen Nägel seien extrem erregerreich. Und ob die Onychomykose auch eine allergologische und gar eine toxikologische Bedeutung habe, sei noch immer nicht ganz klar.

Nach dem Inkrafttreten des GKV-Modernisierungsgesetzes (GMG) sei die Behandlung von Patienten mit Onychomykose stark erschwert, so Dr. Dieter Reinel aus Hamburg bei der 19. Fortbildungswoche für Dermatologie in München. Einerseits werde von Ärzten erwartet, daß sie evidenzbasiert therapieren.

Andererseits jedoch werden die beiden bei Nagelpilz zugelassenen Lacke, etwa Loceryl® Nagellack zur topischen Therapie, nicht mehr von den Kassen erstattet. "Das verführt Patienten, die immerhin eine Infektionskrankheit haben, dazu, nicht mehr zum Facharzt zu gehen", sagte Reinel bei einer Veranstaltung der Unternehmen Aventis und Galderma.

Den Leitlinien zufolge sei bei einem Nagelbefall von bis zu 70 Prozent eine topische Behandlung möglich Bei großflächigerem Befall sollte systemisch, etwa mit Terbinafin (Lamisil®), behandelt werden. Daraus den Schluß zu ziehen, daß bei einem Patienten mit Befall von mehr als 70 Prozent eines Nagels nur noch eine systemische Monotherapie richtig ist, sei jedoch falsch. Der Grund: Die Nagelschüppchen seien auch bei einer systemischen Therapie noch mindestens acht Wochen lang infektiös. "Deshalb bitte keine systemische Monotherapie", so der Hamburger Dermatologe.

Nach Reinels Angaben sollte die Therapie von Anfang an eine topische Behandlung beinhalten, um so die Infektiosität der Erkrankung zu stoppen. Darüber hinaus müsse der befallene Nagel abgetragen werden. "Und wenn dann die Indikation besteht, muß im Sinne eine Dreischlag-Therapie auch systemisch behandelt werden", sagte Reinel.

Er könne nur eindringlich davor warnen, nur um dem Gesetz Genüge zu tun, bei der Behandlung von Patienten mit Onychomykose auf eine topische Behandlung zu verzichten. "Das überfordert selbst die besten Substanzen einer systemischen Therapie", sagte Reinel.

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