Ärzte Zeitung, 22.02.2011

Tinea barbae: Pusteln aus dem Kuhstall

Ein Landwirt in der Rinderzucht erkrankte an eitrig-krustigen Knoten im Bart und Grippe-ähnlichen Symptomen. Erst als Antibiotika keine Besserung brachten, wurde die richtige Diagnose einer Pilzinfektion gestellt. Auch die Kühe bekamen auffällige Hautausschläge.

Von Thomas Meißner

Tinea barbae: Pusteln aus dem Kuhstall

Der Bart des Patienten ist mit ausgeprägten geröteten Papeln und Pusteln sowie furunkelartigen Knoten durchsetzt.

© (2) Dr. Ralph Litschel

Tinea barbae: Pusteln aus dem Kuhstall

Nach einem Monat ist der Ausschlag mit einer antimykotischen Therapie bis auf wenige gerötete Areale gut abgeheilt.

ST. GALLEN. Oberflächliche Pilzinfektionen der Haut werden oft mit Kontaktdermatitis, Akne vulgaris oder mit bakterieller Follikulitis verwechselt. Drei anamnestische Befunde liefern Hinweise.

Anfällig sind besonders Männer mit Bart. Die Infektion beginnt mit zunehmender Rötung und starkem Juckreiz. Später bilden sich papulopustulöse Herde und Knoten. So war es auch bei einem 54-jährigen Landwirt, dessen Krankheitsverlauf Dr. Ralph Litschel und seine Kollegen von der Hals-Nasen-Ohren-Klinik am Kantonsspital St. Gallen schildern (HNO 2010; 58: 1105).

Zwei Wochen nach den ersten Hauterscheinungen entstanden bei ihm die eitrigen Pusteln, er bekam Kopf- und Gliederschmerzen sowie subfebrile Temperaturen und fühlte sich abgeschlagen. Ein Hautarzt hatte an eine bakterielle Genese der Symptome gedacht.

Die Behandlung mit Amoxicillin/Clavulansäure blieb jedoch erfolglos. Fehlgedeutet werden oft auch geschwollene regionale Lymphknoten: Sie werden für Karbunkel gehalten und chirurgisch angegangen, berichtete Litschel.

In Wirklichkeit handelte es sich bei der Erkrankung des Mannes um eine Tinea barbae, eine tiefe Trichophytie, verursacht von keratinophilen Fadenpilzen. Beschränkt ist sie auf die behaarte Gesichts- und Halshaut.

 Die frühere Bezeichnung als Rasier- oder Bartflechte lässt sich darauf zurückführen, dass die Infektion oft in Friseursalons übertragen worden ist. Wegweisend für die Diagnose sind der Kontakt zu Felltieren, besonders in der Landwirtschaft, der typische Juckreiz sowie das leicht und schmerzlos mögliche Epilieren der Barthaare.

Bei dem Landwirt zeigte sich nach Bestrahlung der erkrankten Hautareale mit ultraviolettem Licht eine typische blau-grüne Fluoreszenz. Mikroskopisch waren im Nativpräparat Hyphen nachweisbar.

Bei der Behandlung mit systemischen und topischen Antimykotika heilte die Haut innerhalb eines Monats.

Die Schweizer Dermatologen empfehlen Itraconazol 200 mg täglich per os und Miconazolsalbe einmal täglich für insgesamt zwei Wochen. Eine Alternative ist Terbinafin 250 mg täglich per os für vier Wochen. Bei Landwirten sollten die Tiere ebenfalls untersucht und gegebenenfalls antimykotisch behandelt werden.

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