Dienstag, 7. September 2010
Aktuelle Informationen zur Schweinegrippe
Nach dem Ausbruch der Schweinegrippe (Neue Grippe) Ende April in Mexiko haben sich die neuen H1N1-Viren in der ganzen Welt ausgebreitet. Die Viren werden per Tröpfchen- und Schmierinfektion übertragen. Am 11. Juni hat die WHO die Alarmstufe 6 ausgerufen und damit die Schweinegrippe (Neue Grippe) zur Pandemie erklärt. Am 24. Oktober hat Barack Obama für die USA den nationalen Notstand bezüglich der Schweinegrippe ausgerufen. Hier auf unserer Sonderseite finden Sie ständig aktuelle Informationen, Berichte und Bilder zum Thema.

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In unserem Forum beantworten Privatdozent Thomas Jelinek und Dr. Jan Leidel Ihre Fragen zum Thema Schweinegrippe.
Als kostenlosen Service für Sie als Arzt oder Apotheker haben wir aktuelle Informationsblätter zusammengestellt, mit denen Sie Ihre Patienten angemessen informieren können.

Deutschland ist auf eine Pandemie vorbereitet

Am 26. Oktober ist die Impfaktion gegen die Schweinegrippe angelaufen. Zunächst soll medizinisches Personal und etwa Polizisten, Feuerwehrleute und andere Mitarbeiter wichtiger öffentlicher Institutionen geimpft werden.

Deutschland hat sich seit Jahren auf eine Influenzapandemie vorbereitet. Der Nationale Pandemieplan gibt einen Rahmen vor, der die Grundlage für die Pandemiepläne der Länder und die Ausführungspläne der Kommunen bildet.

Für vordringlich halten Bund und Länder insbesondere die möglichst schnelle Verfügbarkeit eines Impfstoffs. Die Bundesregierung hat frühzeitig die Entwicklung von Prototyp-Impfstoffen gefördert. In Deutschland haben sich Impfstoffhersteller verpflichtet, eine frühestmögliche Bereitstellung eines Impfstoffs zu gewährleisten.

Erkrankte Menschen können mit antiviralen Arzneimitteln (Neuraminidasehemmern) behandelt werden. Im Pandemieplan ist eine Bevorratungsmenge für 20 Prozent der Bevölkerung empfohlen. Dann kann bei einer mittelschweren Pandemie davon ausgegangen werden, dass Erkrankte im Pandemiefall eine Therapie mit antiviralen Arzneimitteln erhalten können. Die Bundesländer haben antivirale Medikamente bevorratet, im Durchschnitt für 20 Prozent der Bevölkerung.

Außerdem wurde die Surveillance, die Überwachung und Analyse des Krankheitsgeschehens, ausgebaut. Rasche und verlässliche Informationen zum Krankheitsgeschehen, zum Beispiel zur Altersverteilung der Betroffenen, sind wichtige Voraussetzung für zielgenaue Maßnahmen.

Die Diagnostik des neuen Virus wurde etabliert, und es wurden serologische Testverfahren entwickelt, um eine Infektion mit dem neuen Virus H1N1 auch nach Abklingen der Symptome oder bei symptomfreiem Verlauf nachzuweisen.

Außerdem sind die im Pandemieplan vorgesehenen Krisenreaktionsstrukturen aktiv oder in Vorbereitung. Zum Beispiel hat das RKI nach Hochstufung auf WHO-Phase 4 gemäß den Planungen die Influenzakommission einberufen, ein bundesweites Expertengremium, das zusammen mit der Expertengruppe Influenzapandemieplanung das Institut berät. Durch die Influenzakommission sind zusätzlich Teilnehmer der relevanten Fachgesellschaften, Organisationen und Verbände im Gesundheitswesen vertreten.

Persönliche Hygienemaßnahmen können dazu beitragen, das Erkrankungsrisiko zu senken. Daher haben das RKI und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Aktion "Wir gegen Viren" gestartet. Die Aktion "Wir gegen Viren" stellt die Verhaltensweisen vor, mit denen man sich und andere besser vor Ansteckung schützen kann. Erster Schwerpunkt der Aktion ist das Händewaschen als zentrale Hygiene-Maßnahme im Alltag.

Kommunikation ist bei einem solchen Infektionsgeschehen wichtig. Daher werden die Informationen auf der Internetseite des RKI häufig aktualisiert, zum Beispiel die aktuellen Fallzahlen und die Einschätzung der Situation. Es gibt auch eine Reihe von Informationsangeboten auf Orts- und Landesebene, viele öffentliche Stellen bieten Hotlines an (eine Hotline-Übersicht ist auf den RKI-Internetseiten abrufbar).

Der Nationale Pandemieplan

Zur Abwehr einer außergewöhnlich gefährlichen Grippe gibt es in Deutschland einen Nationalen Pandemieplan. Er enthält Vorschläge zu Impfungen, Arzneimitteln, der Koordination der medizinische Versorgung und zum Notfallmanagement. Der Alarmplan ist - analog zur Einordnung der Weltgesundheitsorganisation WHO - in sechs Phasen unterteilt.

In der Zeit vor einem Ausbruch bei Menschen - der sogenannten Interpandemischen Periode in den Phasen 1 und 2 - untersuchen Experten zum Beispiel die Wirksamkeit von Medikamenten und stellen die Kapazitäten für die Impfstoff-Produktion sicher. Außerdem werden Empfehlungen für eine nationale Informationsstrategie ausgearbeitet.

Erst in Phase 4 - "Stark lokalisierte Infektionen bei wenigen Menschen" - werden Krisenstäbe im Bundesgesundheits- und im Innenministerium einberufen.

In der "Pandemischen Warnperiode" der Phase 5, wenn "Lokalisierte Mensch-zu-Mensch-Übertragung" festgestellt ist, kann eine Kontrolle des Reiseverkehrs angeordnet werden. In Phase 6, wenn es eine "zunehmende und fortdauernde Übertragung in der Allgemeinbevölkerung" gibt, sollen Impfstoffe und Medikamente verteilt werden.

Angesichts der aktuellen Lage ändert sich somit in Deutschland nach offizieller Darstellung zunächst faktisch nichts.

Chronologie - Die Ausbreitung der Schweinegrippe

Die Schweinegrippe zog erstmals Ende April die weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Die ersten Fälle wurden aus Mexiko gemeldet. Dann ging es Schlag auf Schlag. Wichtige Etappen der Ausbreitung:

24. April:
Wegen einer Grippewelle ordnet Mexikos Regierung die Schließung aller Schulen an. Anfangs ist von mehreren Dutzend Toten durch das neue H1N1-Virus die Rede, später korrigieren die Behörden die Zahl auf sieben.

25. April:
Es gibt acht nachweislich Erkrankte in den USA. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer Pandemie.

27. April: Die Schweinegrippe erreicht Europa. In Spanien und Großbritannien weisen Mediziner das Virus bei drei kürzlich zurückgekehrten Mexiko-Reisenden nach.

28. April:
In Neuseeland wird das Virus bei zehn Studenten, in Israel bei zwei Männern nachgewiesen. Alle waren in Mexiko. In sieben Ländern sind insgesamt mehr als 100 Erkrankungen gemeldet.

29. April:
Erste Fälle in Deutschland: Zwei Frauen und ein Mann sind erkrankt. Alle waren in Mexiko. Im US-Bundesstaat Texas stirbt ein Kleinkind an dem Virus - der erste Todesfall außerhalb Mexikos. Die WHO hebt das Pandemierisiko auf die zweithöchste Stufe 5 an.

30. April: Die WHO meldet weltweit 236 nachgewiesene Fälle, mindestens 27 davon in der EU. 13 Menschen sind gestorben.

1. Mai:
In Deutschland ist das Virus erstmals von Mensch zu Mensch übertragen worden. Die Zahl der bestätigten Erkrankungen liegt nach EU-Angaben weltweit bei mehr als 500.

4. Mai:
 In 21 Ländern sind laut WHO nun rund 1100 Erkrankungen nachgewiesen, acht davon in Deutschland. In Mexiko gab es mindestens 25, in den USA einen Toten.

8. Mai:
 Erstmals hat sich ein deutscher Reisender in den USA angesteckt. Bis dahin sind rund 3200 Menschen erkrankt, 44 gestorben.

27. Mai:
 In Deutschland haben sich inzwischen 20 Menschen angesteckt. Weltweit sind es 13 400 Menschen in rund 50 Ländern.

11. Juni:
 Die WHO erklärt die Schweinegrippe zur Pandemie und ruft die höchste Alarmstufe sechs aus. Weltweit sind fast 30 000 Infektionen in 74 Ländern registriert. Mit mehr als 21 000 Fällen liegt der Schwerpunkt in Nordamerika. Insgesamt sind mehr als 140 Patienten gestorben. Mit der Erkrankung von mindestens 46 Kindern der Japanischen Schule in Düsseldorf steigt die Zahl in Deutschland auf über 140.

14. Juni: In Schottland stirbt erstmals in Europa und außerhalb des amerikanischen Kontinents ein Mensch an Schweinegrippe.

9. Juli: Die Zahl der weltweit registrierten Schweinegrippe-Fälle steigt auf mehr als 100.000.

17. Juli:
Die WHO zählt die weltweit von den Laboren bestätigten Infektionen vorerst nicht mehr. Damit sollen vor der saisonalen Grippesaison in der nördlichen Hemisphäre die Labore entlastet werden. Allerdings sollen Länder, in denen das neue H1N1-Virus zum ersten Mal festgestellt wird, diese Fälle melden. Außerdem müssen Krankheitsfälle der WHO gemeldet und ihr Verlauf beobachtet werden.

26. September: In Deutschland stirbt der erste Mensch an den Folgen einer H1N1-Infektion.

24. Oktober:
Barack Obama ruft den nationalen Notstand bezüglich der Schweinegrippe aus.

26. Oktober:
In Deutschland beginnt die Impfaktion gegen die Schweinegrippe.

FAQ: Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Schweinegrippe

Die WHO hat die Alarmstufe 6 ausgerufen. Damit ist die Schweinegrippe (Mexikanische Grippe) als Pandemie anerkannt. Wie gefährlich ist die Schweinegrippe? Wie kann man sich vor Infektionen schützen? Solche häufig gestellten Fragen hat das Robert Koch Institut (RKI) zusammen gestellt. Hier eine Auswahl; weitere Fragen und Antworten finden Sie auf der Webseite des RKI.

  • Wie gefährlich ist die Schweinegrippe?
Das ist noch unklar. Bislang verläuft die Krankheit meist relativ mild. Allerdings gab es aber in besonders betroffenen Ländern wie Mexiko, den USA und Kanada schwere Verläufe und Todesfälle. Die Sterblichkeit bei der Schweinegrippe ist ähnlich der "normalen" saisonalen Influenza. Anders als bei der saisonalen Grippe erkranken bisher vorwiegend jüngere Menschen.

Bei der jährlichen Grippewelle kennt man die zirkulierenden Viren gut. Zwar verändern sich die Viren stetig, aber der Impfstoff wird jährlich angepasst, und es gibt in der Bevölkerung einen gewissen Immunschutz. Bei der Schweinegrippe handelt es sich dagegen um ein neues Influenzavirus, gegen das kein oder kaum ein Immunschutz in der Bevölkerung existiert.

  • Gibt es typische Schweinegrippe-Symptome?
Die Symptome ähneln den Symptomen der jährlichen (saisonalen) Grippe im Winter. Typisch sind Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit. Einige Menschen, die mit dem Erreger der Schweinegrippe (H1N1) infiziert waren, berichteten auch über Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

  • Wie steckt man sich an?
Es ist davon auszugehen, dass das neue Influenzavirus H1N1 so übertragen wird wie eine übliche Influenza: überwiegend durch Tröpfchen, die zum Beispiel beim Sprechen, insbesondere aber beim Husten oder Niesen entstehen und über eine geringe Distanz auf die Schleimhäute von Kontaktpersonen gelangen können. Diskutiert wird aber auch die Möglichkeit einer Übertragung durch so genannte Tröpfchenkerne, die kleiner sind (kleiner als fünf Mikrometer) und länger in der Luft schweben können (aerogene Übertragung). Vermutlich kann die Übertragung auch über Oberflächen erfolgen, die mit virushaltigen Sekreten verunreinigt sind, wenn sie angefasst werden. Dabei gelangen die Viren über die Hand in Mund, Nase oder Augen.

  • Wie lange dauert es, bis Symptome auftreten?
Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) ist von der Art des Influenza-Virus abhängig. Bei den Erregern der saisonalen Influenza beträgt diese ein bis vier Tage, bei den Erregern der Vogelgrippe hingegen zwei bis fünf Tage. Die genaue Inkubationszeit des neuen Influenza-Virus ist noch unbekannt, dürfte sich aber in den oben genannten Zeiträumen bewegen und scheint wie bei der Vogelgrippe eher etwas länger zu sein als bei der saisonalen Influenza. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt bei der saisonalen Influenza bereits kurz (weniger als 24 Stunden) vor Auftreten der klinischen Symptomatik und besteht danach gewöhnlich für drei bis fünf Tage. Bei der neuen Influenza ist dazu noch nichts bekannt, eine Ansteckungsfähigkeit vor Symptombeginn lässt sich nicht ausschließen.

  • Wie kann die Schweinegrippe (Mexikanische Grippe; H1N1) diagnostiziert werden?
Das neue Virus H1N1 wird in speziellen Labors identifiziert. Zur Diagnose sollte ein Rachen- oder Nasenabstrich möglichst rasch nach Beginn der Erkrankung von einem Arzt entnommen und an ein Labor eingesandt werden. Das Nationale Referenzzentrum für Influenza am Robert Koch-Institut und einige weitere Laboratorien in Deutschland können dieses Virus aber mit einer speziellen Methode sicher nachweisen.

  • Welche Medikamente stehen zur Verfügung?
Prinzipiell stehen zur ursächlichen Behandlung Arzneimittel aus zwei Therapieklassen zur Verfügung: die sogenannten Amantadine und die Neuraminidasehemmer Oseltamivir (Tamiflu®) und Zanamivir (Relenza®). Bei den bisher im Robert Koch-Institut untersuchten neuen Grippeviren haben sich die Neuraminidasehemmer als wirksam erwiesen. Damit werden entsprechende Untersuchungen aus den USA auch für die in Deutschland aufgetretenen Viren bestätigt.

Eine individuelle Bevorratung mit antiviralen Arzneimitteln wird nicht empfohlen. Diese Arzneimittel sind rezeptpflichtig, da sie unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden müssen. Das ist zum Beispiel deshalb wichtig, weil Unterdosierungen die Entstehung von resistenten Viren begünstigen können. Zudem ist die Eigendiagnose einer Influenza unzuverlässig; die Influenza kann mit vielen anderen akuten Erkrankungen verwechselt werden.

  • Wie kann man sich schützen?
Schützen sollten sich bei einer Pandemie in jedem Fall alle, die mit Erkrankten Kontakt haben. Zu den allgemeinen Hygieneregeln zählen unter anderem:
    • das Vermeiden von Händegeben, Anhusten, Anniesen,
    • das Vermeiden von Berührungen der Augen, Nase oder Mund,
    • die Nutzung und sichere Entsorgung von Einmaltaschentüchern,
    • Empfehlungen zu einer intensiven Raumbelüftung,
    • das gründliche Händewaschen nach Personenkontakten, der Benutzung von Sanitäreinrichtungen und vor der Nahrungsaufnahme sowie bei Kontakt mit Gegenständen oder Materialien, die mit respiratorischen Sekreten von Erkrankten kontaminiert sein können (zum Beispiel bei der Pflege von Angehörigen - Bett- oder Leibwäsche, Essgeschirr, Patienten-nahe Flächen),
    • die getrennte Behandlung von an Influenza erkrankten Personen, insbesondere von Säuglingen, Kleinkindern und Personen mit chronischen Erkrankungen,
    • die Empfehlung für fieberhaft Erkrankte, im eigenen Interesse zu Hause zu bleiben, um weitere Ansteckungen zu verhindern,
    • die Vermeidung von direkten Kontakten zu möglicherweise erkrankten Personen sowie
    • der Verzicht auf den Besuch von Theatern, Kinos, Diskotheken, Märkten, Kaufhäusern bzw. die Vermeidung von Menschenansammlungen.
    • Das Tragen eines dichtanliegenden, mehrlagigen Mund-Nasen-Schutzes kann in bestimmten Situationen, in denen ein Kontakt zu anderen vermutlich infizierten Personen in geschlossenen Räumen nicht vermeidbar ist, möglicherweise einen gewissen Individualschutz bieten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt in ihrem Rahmen-Pandemieplan keinen Mund-Nasen-Schutz für die allgemeine Bevölkerung. (Quelle: RKI)

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