Ärzte Zeitung online, 27.04.2009

Asien schlägt Alarm wegen Schweinegrippe

SEOUL/BANGKOK (dpa). Nach dem Ausbruch der Schweinegrippe in Nordamerika haben die asiatischen Länder der Pazifikregion ihre Gesundheitsbehörden in Alarmbereitschaft versetzt und die Schutzmaßnahmen verstärkt. Fast überall in Asien wurden am Montag vor allem die Gesundheitskontrollen der ankommenden Reisenden aus Mexiko und Nordamerika verschärft. Dazu gehörten insbesondere Temperaturkontrollen an den internationalen Flughäfen.

In Neuseeland stand weiter eine Gruppe von Studenten unter Kontrolle, die nach der Rückkehr von einer Studienreise nach Mexiko am Wochenende positiv auf Grippe getestet worden waren. Es sei "wahrscheinlich", dass die zehn Studenten durch den mutierten Schweinegrippeerreger H1N1 infiziert worden seien, teilten Beamte in Auckland mit.

In der australischen Metropole Sydney warteten fünf Menschen nach einem Besuch in Nordamerika in einem Krankenhaus auf das Ergebnis von Labortests. Der Virologe Greg Tannock von der RMIT-Universität in Melbourne warnte in einem Interview des Senders ABC, dass das Risiko einer weltweiten Verbreitung der Schweinegrippe größer sei als im Falle der Lungenerkrankung Sars oder der Vogelgrippe. Die Krankheit könne wahrscheinlich eher von Menschen auf Menschen übertragen werden.

In Japan wies Ministerpräsident Taro Aso das Kabinett in einer Dringlichkeitssitzung an, die öffentliche Gesundheit sicherzustellen. Das Gesundheitsministerium kündigte an, mit der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Schweinegrippe zu beginnen. Am Flughafen Tokio-Narita standen nach Angaben von Regierungssprecher Takeo Kawamura Quarantäne-Ärzte bereit, um Inspektionen an Bord von Flugzeugen durchzuführen.

In China wurden alle Reisende, die aus Ländern mit Fällen der Schweinegrippe kommen, angehalten, sich bei grippeähnlichen Symptomen sofort bei den Behörden zu melden. Fieber-Monitore für die Kontrolle der Körpertemperatur gibt es seit dem Ausbruch von Sars im Jahr 2003 an den meisten chinesischen Flughäfen.

Die Behörden in Südkorea kündigten an, die Bestände von antiviralen Medikamenten zu verdoppeln. Derzeit gebe es ausreichend Reserven des Mittels Tamiflu® für die Behandlung von 2,5 Millionen Menschen oder etwa fünf Prozent der Bevölkerung, sagte der Leiter des staatlichen Zentrums für Krankheitskontrolle (KCDC), Lee Jong Koo, in Seoul. Die Möglichkeit, dass das Schweinegrippevirus eingeschleppt werde, nannte er gering.

Auch an den internationalen Flughäfen in Singapur, Thailand, Indonesien, auf den Philippinen und in Taiwan wurden die Gesundheitskontrollen verstärkt. In Malaysia wurden Krankenhäuser und Ärzte aufgerufen, sofort jeden Fall von grippeähnlichen Symptomen und schwerer Lungenentzündung zu melden. Ankommende Passagiere mit erhöhter Körpertemperatur würden eingehender untersucht, kündigte das singapurische Gesundheitsministerium an. Obwohl noch kein Fall von Schweinegrippe aufgetreten sei, sei es besser, "sicher zu gehen" und sich auf das Schlimmste vorzubereiten, sagte Gesundheitsminister Khaw Boon Wan.

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