Ärzte Zeitung, 28.04.2009

Bund sieht keine "akute Bedrohung"

Ministerium: Sind auf möglichen Ausbruch gut vorbereitet / Zwei Verdachtsfälle in Deutschland / Infos für Ärzte

BERLIN (ble). Deutschland ist nach Ansicht des Bundesgesundheitsministeriums auf einen möglichen Ausbruch der Schweinegrippe "gut vorbereitet". Trotz aktuell zweier Verdachtsfälle in Deutschland gebe es keine Anhaltspunkte für den Ausbruch einer Epidemie, so Staatssekretär Dr. Klaus Theo Schröder.

Bund sieht keine "akute Bedrohung"

Dr. Klaus Theo Schröder, BMG: "Deutschland hat die größte Kapazität zur Impfstoffherstellung."

Foto: Euroforum/A.Friese

Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO gehe man derzeit nicht von einem "pandemischen Geschehen" aus, führte Schröder in Berlin aus. Das Ministerium stelle derzeit über die Kassenärztlichen Vereinigungen, die KBV sowie die Deutsche Krankenhausgesellschaft Informationen für die Ärzteschaft bereit. Im Augenblick herrsche keine "akute Bedrohung", die die Einrichtung von Krisenstäben von Bund und Ländern notwendig machen würde.

9000 deutsche Touristen derzeit in Mexiko im Urlaub

In Deutschland gab es am Dienstag einige ungeklärte Verdachtsfälle auf Schweinegrippe: Bei einem Mann sei ein Grippevirus vom Influenza-Typ A festgestellt worden. Ob es sich um die Schweinegrippe handele, sei jedoch unklar. Bei den anderen beiden Fällen handele es sich um ein Ehepaar, das kürzlich aus Mexiko zurückgekehrt war. Eine abschließende Klärung soll spätestens am Mittwochmorgen erfolgen.

Im Schnitt halten sich etwa 9000 deutsche Touristen in Mexiko auf. In dem mittelamerikanischen Land sind nach Informationen des Ministeriums bislang mehr als 2000 Verdachtsfälle registriert worden. Eine offizielle Reisewarnung aber besteht nicht. Weitere Grippefälle sind in den USA, Kanada, Neuseeland, Israel, Spanien und Schottland bekannt geworden. Anders als in Mexiko nehmen diese dort laut Schröder offenbar aber leichtere Verläufe. Selbst bei einem Auftreten neuer Fälle könne in Deutschland noch nicht von einem epidemischen Geschehen gesprochen werden, betonte Schröder. Zudem zeige sich bei den bislang behandelten Patienten, dass die vorhandenen Medikamente wirkten. Schröder geht davon aus, dass die Bundesländer für den Pandemiefall genügend Vorräte angelegt haben.

Bund sieht keine "akute Bedrohung"

Professor Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts: "Die Komposition des Virus macht es schwer, Voraussagen zu treffen."

Foto: dpa - Bildfunk

Bund hat Verträge zur Impfstoffherstellung geschlossen

Mit zwei Herstellern habe man zudem bereits vor einiger Zeit Verträge geschlossen, um die Bevölkerung schnell "zweimal durchimpfen" zu können, sobald ein Impfstoff vorliegt, sagte Schröder. "Wir sind der Standort in Europa mit den größten Kapazitäten zur Herstellung von Impfstoff."

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Professor Jörg Hacker, sprach von einer "besorgniserregenden Situation". Das Virus habe das Potenzial, sich pandemisch auszubreiten. Neu an ihm sei seine Konstruktion im Detail, mit Bestandteilen von zwei Schweinegrippeviren, dem Vogelgrippevirus und dem humanen Virus. "Das macht es letztlich auch so schwer, Voraussagen zu treffen."

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