Ärzte Zeitung online, 28.04.2009

Mehrere Grippe-Verdachtsfälle in Deutschland

BERLIN/MÜNCHEN (dpa). In Deutschland werden mehrere Menschen mit Verdacht auf Schweinegrippe untersucht. Drei Betroffene - darunter ein Ehepaar - seien von einer Mexiko-Reise zurückgekehrt und stünden in Süddeutschland unter Beobachtung, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, am Dienstag in Berlin.

Der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) teilte in München mit, es gebe zwei Verdachtsfälle in Bayern. "Es gibt Anlass zur Sorge", sagte er. Zuvor hatte es nach Söders Worten drei weitere Verdachtsfälle in Bayern gegeben (wir berichteten kurz). Diese hatten sich aber nicht bestätigt. Einen genauen Überblick über die Zahl der Verdachtsfälle konnten die Behörden auf Nachfrage am Nachmittag zunächst nicht geben.

Die Betroffenen seien teils im Krankenhaus, teils zu Hause isoliert worden. Hacker sagte, zwei Betroffenen gehe es "recht gut", einer zeige "influenzafremde Symptome". Derzeit würden Schnelltests ausgewertet. Ob es sich um Schweinegrippe handele, sollte am Dienstagabend oder spätestens an diesem Mittwoch feststehen.

Grundsätzlich sei auch in Deutschland mit Schweinegrippe-Fällen zu rechnen, betonte der RKI-Präsident. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sagte der "Bild"-Zeitung (Dienstag) das Risiko einer weltweiten Verbreitung könne heute niemand genau kalkulieren (wir berichteten). "Es kann eine weltweite Grippewelle geben. Ich mache mir Sorgen, hoffe aber, dass meine Sorgen grundlos bleiben." Hacker sagte, auch eine Beschränkung auf einzelne Weltregionen sei möglich.

Gesundheitsstaatssekretär Klaus Theo Schröder betonte, auch wenn sich der Verdacht einer Infektion in Deutschland bestätigen sollte, würde es sich zunächst nur um Einzelfälle handeln, die schnell diagnostiziert und wohl auch erfolgreich behandelt werden könnten.

Die Bundesregierung sieht sich gewappnet. "Wir sind gut vorbereitet", sagte Schmidt. "Bund und Länder, Ärzte, Krankenhäuser und Rettungsdienste wissen genau, was sie im Ernstfall zu tun haben." Bei einer Verschärfung der Lage können laut Ministerium sofort Krisenstäbe eingerichtet werden. Unternehmen, die auch schon an der Entwicklung von Impfstoffen gegen die Vogelgrippe beteiligt gewesen seien, arbeiteten jetzt an einem Impfstoff gegen die Schweinegrippe. In allen Bundesländern werde außerdem das verschreibungspflichtige Grippe-Mittel Tamiflu® gelagert, mit dem rund 20 Prozent der Bevölkerung versorgt werden könnten.

Hacker berichtete, es handele sich um ein neues Virus, dessen Erbgut sich auch weiter verändern könne. Die Behörden verwenden inzwischen die Bezeichnung "Neue Grippe", um zu betonen, dass vom Verzehr von Schweinefleisch keine Gefahr ausgeht. Außerdem werde das Virus nicht nur von Schweinen übertragen. Es sei "Besorgnis erregend", dass es von Mensch zu Mensch übertragen werden könne, sagte Schröder. Insgesamt gebe es aber in Deutschland "keine konkrete Bedrohung".

Schröder wandte sich gegen den Einsatz von Wärmebildkameras an Flughäfen zur Erkennung von fiebernden Passagieren. Die Schweinegrippe breche erst zwei bis fünf Tage nach einer Ansteckung aus. Touristen, die sich das Virus beispielsweise am letzten Tag ihrer Mexiko-Reise eingefangen haben, hätten also zunächst noch kein Fieber. Nach Angaben Schröders befinden sich im Schnitt 9000 deutsche Touristen in Mexiko.

Problematisch sei es, dass viele Menschen nicht direkt aus Mexiko nach Deutschland zurückkehren, sondern über Umwege oder Zwischenstopps in London und Paris einreisen. "Die Erfahrung zeigt, dass man auch damit rechnen muss", sagte Schröder.

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