Ärzte Zeitung online, 30.04.2009

Schweinegrippe, Mexikanische Grippe oder Neue Grippe?

HAMBURG/PASSAU (dpa). Namens-Wirrwarr um die Schweinegrippe: Experten haben gleich mehrere verschiedene Begriffe für die Virus-Erkrankung ins Spiel gebracht. Das Spektrum der Vorschläge reicht von "Mexikanischer Grippe" bis "Neue Grippe". Denn soll die Schweinegrippe, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sie nennt, noch Schweinegrippe heißen - obwohl das derzeit grassierende Virus bei Schweinen bisher noch nie festgestellt wurde?

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, erklärte, einige Behörden verwendeten inzwischen die Bezeichnung "Neue Grippe" - um zu betonen, dass vom Verzehr von Schweinefleisch keine Gefahr ausgeht. Das Virus werde nicht nur von Schweinen übertragen. Es handele sich um ein neues Virus, dessen Erbgut sich weiter verändern könne. Auch das europäische Seuchenkontrollzentrum ECDC in Stockholm zieht diesen Begriff vor.

Die Internationale Tiergesundheitsorganisation (OIE) wiederum möchte von einer "Nordamerikanischen Grippe" sprechen. "Das Virus wurde bisher nicht in Tieren isoliert. Es ist daher nicht gerechtfertigt, diese Krankheit Schweinegrippe zu nennen." Das Virus beinhalte "in seiner Charakteristik Komponenten von Schweine-, Vögel- und Menschenviren".

Der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas C. Mettenleiter, hatte sich ebenfalls für einen anderen Namen ausgesprochen - machte aber keinen konkreten Vorschlag. Der Erreger H1N1 weise zwar genetische Merkmale auf, die bei Schweineviren auftreten, sagte Mettenleiter. Die Form des Erregers, die aktuell vorkomme, sei beim Schwein aber nie nachgewiesen worden. "Die Bezeichnung ist irreführend. Es handelt sich nicht um den Erreger einer Tierseuche, sondern um einen humanen Influenzavirus."

Auch bei der WHO wurde der Begriff Schweinegrippe dem Vernehmen nach heiß diskutiert. Die UN-Organisation hielt jedoch auch am Mittwoch zunächst noch an dem Namen fest.

Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner forderte in der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstag) die Öffentlichkeit auf, die Infektionskrankheit als "mexikanische Grippe" zu bezeichnen. Es handele sich um die Mutation eines Virus aus der Tierwelt, das nur bei Menschen vorkomme, sagte er.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »