Ärzte Zeitung online, 02.05.2009

Schweinegrippe - Mehr Infizierte, aber kein Grund zur Panik

NEU-ISENBURG (eb). Weltweit gibt es bislang weit über 630 Menschen, die mit dem neuen Influenza-Virus A/H1N1 infiziert sind. Allein in Mexiko sind fast 400 Menschen betroffen; in den USA 141 und in Europa  39 Menschen. In Deutschland gibt es unverändert fünf bestätigte Fälle. Einen neuen Verdachtsfall gibt es in Köln . Weltweit sind bislang 16 Menschen an den Folgen der Schweinegrippe (Mexikanischen Grippe) gestorben (Stand 2. Mai, 09:20 Uhr).

Schweinegrippe - Mehr Infizierte, aber kein Grund zur Panik

Ein neues Influenza-Virus Typ A / H1N1 ist Erreger der als Schweinegrippe bekannten Influenza. Expertern sagen, dass kein Grund zur Panik besteht.

Foto: GSK, www.fotolia.de

Inzwischen ist bei 15 toten Menschen in Mexiko das neue mutierte Virus nachgewiesen worden. Es handelt sich aber nicht um neue Todesfälle. Vielmehr grassiert in Mexiko derzeit eine Influenza-Welle, ähnlich wie die in Deutschland im vergangenen Winter. Tausende Menschen sind mit Grippeviren verschiedener Stämme infiziert und zum Teil erkrankt. 159 Menschen sind nach offiziellen Angaben als Influenza-Tote registriert. Doch nur bei 15 von ihnen wurde das neue mutierte Virus A/H1N1 nachgewiesen. Da weitere Proben untersucht werden, kann sich allein deshalb die Zahl der offiiziell an der Schweinegrippe Gestorbenen in Mexiko erhöhen.

In Deutschland gibt es unverändert fünf bestätigte Infektionen. Bei allen Patienten sind die grippalen Symptome weitgehend oder völlig abgeklungen. Ein der Patienten, eine Krankenschwester aus Bayern, hatte sich in Deutschland direkt bei einem Patienten infiziert. Damit wurde zum ersten Mal in Deutschland das Virus direkt von Mensch zu Mensch übertragen. Einen neuen Verdachtsfall gibt es in Köln. Ein Mann, der aus Brasilien zurück kehrte, hat grippale Symptome. Bei ihm wurde ein Influenza-Virus Typ A nachgewiesen. Ob es sich dabei um das mutierte Schweinegrippe-Virus handelt, wird derzeit imRobert Koch-Institut (RKI) geprüft.

Run auf die Grippemittel

Nach Medienberichten sollen seit Freitag vergangener Woche etwa soviele Packungen des Anti-Influenza-Medikaments Tamiflu® (Oseltamivir) verkauft worden sein wie sonst in der ganzen Wintersaison. Allgemeine Engpässe gibt es nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) nicht, auch wenn in einzelnen Apotheken das Medikament vorübergehend nicht mehr erhältlich war. Der Großhandel hat nach dpa-Angaben mehr als 110 000 Packungen an die Apotheken verteilt.

Unverändert warnen Experten vor Panik und Hysterie

Trotz der neuen Fälle handelt es sich nach Einschätzungen von Experten um einen bislang milden Verlauf einer Grippe. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist derzeit so groß, weil es sich um ein mutiertes Virus handelt, über dessen Eigenschaften noch kaum etwas bekannt ist. Bislang ist das Virus aber empfindlich gegen spezifische Antigrippemittel wie Oseltamivir (Tamiflu®) oder Zanamivir (Relenza®).

Schaut man auf die Zahlen zu Virusgrippen, dann verläuft die "normale" Influenza-Welle, von der wir in jedem Jahr betroffen sind, viel dramatischer. Allein in Deutschland sterben pro Grippesaison um 10 000 Menschen an den Folgen einer Influenza (nach Schätzungen gibt es jährlich zwischen 8000 bis 12 000 oder sogar 15 000 Grippetote).

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