Ärzte Zeitung online, 03.05.2009

Meldepflicht für Schweinegrippe - Kassen sollen Labortest bezahlen

BERLIN (HL/dpa). Seit dem 3. Mai müssen Ärzte den Gesundheitsämtern Verdachtsfälle, Erkrankungen und Todesfälle aufgrund der Schweinegrippe (Mexikanische Grippe) melden. Diese Rechtsverordnung hat die Bundesregierung erlassen. Sie gilt für ein Jahr. Ferner können Ärzte einen Schnelltest im Rahmen der Grippe-Diagnostik anwenden. Er wird den Patienten in Rechnung gestellt. Der GKV-Spitzenverband empfiehlt den Kassen, dass sie die Kosten dafür erstatten. Insgesamt verläuft die Schweinegrippe nach wie vor mild.

Meldepflicht für Schweinegrippe - Kassen sollen Labortest bezahlen

Diagnostische Abklärung von Schweinegrippe im Labor.

Foto: dpa

Die Zahl der Infektionen mit der sich weltweit ausbreitenden Schweinegrippe ist in Deutschland auf acht gestiegen. Zum zweiten Mal wurde das Virus innerhalb der Bundesrepublik von Mensch zu Mensch übertragen.

Wie der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Professor Jörg Hacker, am Samstag in Berlin sagte, habe ein mit dem H1N1-Virus infizierter Mexiko-Reisender nicht nur wie schon bekannt eine Krankenschwester, sondern auch einen Zimmernachbarn in der Klinik im niederbayerischen Mallersdorf angesteckt.

Hinzu gekommen sind zwei neue bestätigte Grippefälle in Brandenburg, wie das RKI am Sonntag bekannt gab. Dabei handelt es sich um ein Ehepaar, das im selben Flugzeug wie der Hamburger Fall aus Mexiko zurückgekommen war.

Die bisher bundesweit nachgewiesenen acht Fälle, darunter fünf in Bayern und einer in Hamburg, verliefen insgesamt milde, sagte Hacker. "Die Patienten sind auf dem Weg der Besserung."

Schwere Fälle der neuen Grippe seien bisher nur in Mexiko und den USA aufgetreten. Auch der neu infizierte Patient zeigt nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit inzwischen keine Grippe-Symptome mehr.

RKI-chef Hacker warnt vor "Aktionismus"

Trotz der steigenden Zahl der Erkrankungen warnte RKI-Chef Hacker vor "Aktionismus". Es bestehe "kein allgemeines Gefährdungspotenzial, aber das Ansteckungsrisiko darf auch nicht bagatellisiert werden", sagte Hacker. Hygieneregeln im Kontakt mit anderen Menschen sollten unbedingt eingehalten werden, um Ansteckungen vorzubeugen. Bei Influenza-Symptomen sei umgehend ein Arzt aufzusuchen. Es könne keine Entwarnung gegeben werden.

Am RKI hat sich eine Influenza-Expertenkommission gebildet, die sich mit zukünftigen Maßnahmen zur Bekämpfung der neuen Grippe befasst. Sie sucht auch nach möglichen Impfstoffen, die im Falle einer weiteren Ausbreitung in Deutschland zum Einsatz kommen sollen.

Die meisten Deutschen sehen nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" die Ausbreitung der Schweinegrippe gelassen. Bei einer repräsentativen Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag der Zeitung äußerten 59 Prozent keine Angst vor der weltweiten Ausbreitung des Grippevirus vom Typ A/H1N1. Etwas Angst zeigten 36 Prozent und große Angst vier Prozent der Befragten. Besonders Männer äußerten sich mit 71 Prozent furchtlos, Frauen dagegen nur mit 49 Prozent.

Einige Bundesländer wollen unterdessen ihre Vorräte an antiviralen Mitteln aufstocken. Im Zusammenhang mit der Vogelgrippe wurde eine Bevorratung für 20 Prozent der Bevölkerung empfohlen - nicht alle Länder waren dem gefolgt.

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Vorsorge-Check auf Grippesymptome bei Reisenden vor dem Reiseantritt am Flughafen im mexikanischen Cancun.

Foto: dpa

WHO warnt davor, die potentzielle Gefährlichkeit des neuen Virus zu unterschätzen

Bereits am Sonnabend hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf Berichte zurückgewiesen, nach denen das mutierte Schweinegrippenvirus A/H1N1 weitaus ungefährlicher sei als angenommen. Dies hatte die US-Seuchenbehörde CDC erklärt. Der Virustyp H1N1 habe anscheinend nicht die gleichen todbringenden Eigenschaften wie das Virus der katastrophalen Spanischen Grippe von 1918/19, sagte CDC-Direktorin Nancy Cox in Atlanta.

Hingegen erklärte der WHO-Direktor für weltweite Alarm-und Reaktionsstufen, Michael Ryan: „Die Entwicklung eines Virus ist überhaupt nicht vorhersehbar.“ Man könne immer noch davon ausgehen, dass eine Pandemie bevorstehe. „So müssen wir davon ausgehen, dass Phase 6 erreicht wird – aber wir hoffen, dass das nicht geschieht.“ Derzeit sei es aber nicht angebracht, die Alarmstufe 5 auf die höchste Stufe 6 zu heben, die den Ausbruch einer Pandemie anzeigen würde. „Es wäre unklug derzeit zu sagen, das Virus verbreite sich in unkontrollierter Weise“, ergänzte Ryan. Die WHO kündigte an, 2,4 Millionen Dosierungen an Anti-Grippemitteln für 72 Länder bereitzustellen, die wegen Armut zu den gefährdeten Staaten gehören könnten.

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